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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1920-01-01 · 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920) · p. Seite 144

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
Issue
5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 144 (sequence 146)
Language
German
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144 verlangt, ich wollte für mich nichts, ich drängte mich nicht vor, ich überliess die Ehre anderen, aber all das war unnütz.“ Die von ihm gegründeten Vereine hatten keinen Bestand, die Juden hatten zwar immer noch die grosse Liebe zu Zion, aber der grosse Wille fehlte. Erst Herzl war es beschieden, das Volk aus der Lethargie zu wecken und ihm den Weg ins Land zu zeigen. Dunant erlebte den Tag des Zionistenkongresses. Ein halbes Jahrhundert nach dem Beginne seiner Bemühungen für Palästina sah er in seinem Heimatlande den ersten Zionistenkongress tagen. Diesmal nahmen die Juden selbst das Schicksal ihres Landes in die Hand. Der erste Kongress, welcher nach Dunants Brief seine ,,plus vives et plus cordiales sympathies“ hatte, sollte den ersten Schritt zur Verwirklichung dieses Zieles machen, welches zu erreichen den Freunden des jüdischen Volkes in Europa nicht gelingen konnte, weil ein Volk seine Heimat nur mit eigenen Kräften wiedergewinnen kann. Trotz der vielen Schwierigkeiten glaubte Dunant an die Erfüllung seines Planes. Obwohl er, wie aus den mir vorliegenden Briefen und Materialien ersichtlich ist, offiziell noch nichts von einem eigentlichem Judenstaate, wie ihn Juden und Nichtjuden erhofften, sagt, so ist doch mit Sicherheit anzunehmen, dass Dunant einen solchen Plan mit Begeisterung begrüsst hätte. Für diesen Menschen im besten Sinne des Wortes galt die Lösung der Judenfrage als die grosse Forderung des Tages. Er glaubte an ihre Lösung im Lande der jüdischen Vergangenheit, denn der Judenstaat ist, um mit Herzl zu reden, ein Weltbedürfnis. Dunant wusste auch, dass diese Idee viele Gegner unter den Juden wie unter den Nichtjuden haben wird, darum schrieb er in einem Briefe während des ersten Kongresses in Basel: ,,Avec l’idée de la neutralisation diplomatique du pays, pour arriver à un Etat israëlite il faudra largeur et tolérance.“ Zürich. Bernhard Weinert.

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