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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1920-01-01 · 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920) · p. Seite 130

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
Issue
5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 130 (sequence 132)
Language
German
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130 Forscher, Dalton und Richter, unabhängig von einander gemacht. Während nun die Entdeckung Daltons gleich bei ihrer Veröffentlichung bei den Fachgenossen Anklang fand, blieb diejenige Richters unbeachtet. Lange sucht den Grund hiefür und gibt ihn in folgenden Worten wieder: „Durch seine Studien sah sich Dalton gleich dem deutschen Chemiker Richter auf die Annahme geführt, dass die chemischen Verbindungen in bestimmten Zahlenverhältnissen vor sich gehen. Während nun aber Richter von der Beobachtung sofort auf die allgemeinste Fassung des Gedankens hinüber sprang, dass nämlich alle Naturvorgänge von Mass, Zahl und Gewicht beherrscht werden, rang Dalton danach, eine anschauliche Vorstellung davon zu gewinnen, worauf wohl jene einfachen Zahlen der Verbindungsgewichte beruhen möchten und hier war es, wo ihm die Atomistik auf halbem Wege entgegen kam. ... Es ist in methodischer sowie erkenntnistheoretischer Ansicht von Interesse zu sehen, wie die streng sinnliche Vorstellungsweise Daltons sofort durchschlug, während der mehr spekulative Gedanke Richters der Verbreitung seiner höchst bedeutenden Entdeckungen eher zum Nachteil gereichte. Es wird nirgends so klar, wie in der Geschichte der neuern Chemie, wie die sinnliche Anschauung als ein unentbehrliches Bedürfnis für unsere Orientierung in den Erscheinungen immer aufs neue wieder ihre Ansprüche geltend macht und fast immer glänzende Erfolge erzielt, so oft sich auch schon gezeigt hat, dass alle diese Vorstellungsweisen nur Hilfsmittel zur durchgängigen Herstellung des Kausalzusammenhanges sind und dass jeder Versuch, in ihnen eine definitive Erkenntnis der Konstitution der Materie zu finden, alsbald an neuen Anforderungen scheitert, welche uns nötigen, das Gebäude jener Anschauungen von Grund aus neu aufzuführen.“ — Nun kennen wir den Sinn der Atomistik.

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