Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 130)
- Language
- German
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128 Philosophie, sondern auf dem der Naturforschung geholt haben. Sie mögen ihre Ansichten über das Atom äussern! Helmholtz, der im Verein mit Robert Mayer sich das grösste Verdienst um die Verbreitung des fundamentalen Naturgesetzes von der Erhaltung der Kraft erworben, sagt in der gleichnamigen Abhandlung von der Materie, was ja der andere Name für das Atom ist, sie sei eine doppelte Abstraktion. An einer andern Stelle ist sie ihm nichts als ein Gedächtnismerkmal, wie jeder allgemeine Begriff. Liebig, der sich nicht bloss um die Herstellung eines — wie man sagt — wohlschmeckenden Suppensurrogats verdient gemacht, sondern der als erster die Chemie als wissenschaftliche Disziplin in eine deutsche Universität, in Giessen, eingeführt, äussert sich in einer Abhandlung über die „Konstitution der organischen Säuren“ über die Atome, dass man von ihnen nichts wisse. Wie man sich dieselben zu denken habe, das beruhe blos auf Übereinkunft, die durch die Gewohnheit geheiligt sei. — Noch schärfer drückt sich Schönbein in einem Aufsatz über das Album von Combe-Varin aus: „Wo die Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.“ Das ist seineBegrüssung des Begriffs Atom! Ed. Fechner, der die spekulative Psychologie zu einer experimentellen Wissenschaft erhoben, der Denken, Begehren, Wollen, Streben, Lust und Schmerz in sinnreiche, von ihm selbst erdachte mechanisch funktionierende Apparate geleitet, hat ein ganzes Buch betitelt: „Die Atomenlehre“ geschrieben, worin er den Nachweis liefert, dass das Atom nirgends in der äussern Welt existiere. Auch das Urteil des so oft zitierten Du Bois Reymond soll nicht unerwähnt bleiben. In seiner vor der Versammlung deutscher Ärzte und Naturforscher in Leipzig gehaltenen Rede „Über die Grenzen des Natur-