Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 122)
- Language
- German
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120 steigender Progression sich wälzende Wandererflut aus Osteuropa nach Nord-Amerika, — eine Flut, die in dieser kurzen Zeitspanne bereits fast ein Viertel des jüdischen Volkes aus einer Hämisphäre in die andere brachte und dort für europäische Begriffe ganz unglaubliche Konzentrationen — anderthalb Millionen in einer Stadt! — aufhäufte. An der Grenze dieser beiden extremen Lösungsarten stehen: der Zionismus und die zweite Phase des Territorialismus, indem sie durch kluge Ausnützung eines die Massen in Bewegung setzenden Impulses diese Massen nach einem bestimmten Landstrich mit besseren Existenzaussichten zu verpflanzen suchen. Der Zionismus benutzt zu diesem Zwecke die nie erloschene Sehnsucht nach der alten verlorenen Heimat, die ITO zielte durch ihr Galveston-Unternehmen dahin, den ungestümen Drang nach der Neuen Welt in eine planmässige Kolonisation zu verwandeln. Welche von diesen Lösungen wird nun die Lösung sein? Nur in der reinen Mathematik gibt es Berechnungen, die ohne Rest aufgehen, wie etwa die Zahl 5 in der Zahl 20. Im wirklichen Leben gibt es so was nicht. Jede Lösung, auch scheinbar die vollkommenste, hinterlässt etwas ungelöstes, unerlöstes. Umso eher, wenn es sich um die verworrenen politischen und sozialen Probleme handelt. Am allerwenigsten kann die zweitausendjährige, in alle Poren der Kulturwelt eingreifende Judenfrage auf eine eindeutige Art gelöst werden. Kompromisse und Teillösungen sind unvermeidlich, möge man sich dagegen auch noch so sträuben. * * *