Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 123)
- Language
- German
- Belongs to
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121 Düsterer und undurchdringlicher denn je breitet sich der Vorhang aus, hinter welchem sich die künftige Gestaltung der Menschheit verbirgt. In undeutlichen Umrissen schimmern die Silhouetten kommender Ereignisse und Zustände blitzartig aus dem Chaos auf, um sich sofort in Rauch und Dunst wieder aufzulösen, so schemenhaft, dass man sie kaum in klare Begriffe umformen kann. Auch die Geschicke des jüdischen Volkes machen davon keine Ausnahme. Gewisse Anzeichen deuten aber darauf hin, dass die Juden wieder einmal die Welt durch ein eigenartiges Schauspiel überraschen werden. Wie uns das Fernrohr in den Tiefen des Himmels Weltsysteme zeigt, wo zwei, drei verschiedenfarbige Sonnen mit ihren dunklen Trabanten umeinander kreisen, so ist es gar nicht ausgeschlossen, dass die einstweilige Lösung der Judenfrage sich in der Gestalt eines dreifachen centrum gravitatis präsentieren wird: eines im uralten Asien, das zweite im alten Europa, das dritte — und jedenfalls das mächtigste — in der üppig auf blühenden Neuen Welt. Welches von ihnen dann einst das endgültige Übergewicht an sich reisst, darüber lassen sich nur vage Vermutungen anstellen. Und — wer weiss? — vielleicht bietet gerade diese sonderbare Dreiecklösung bis auf weiteres die günstigste Form, in welcher das jüdische Volk das Seinige zum Aufstieg der Menschheit beitragen kann. Zürich. S. Ginsburg.