Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 120)
- Language
- German
- Belongs to
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118 linien der möglichen und erreichbaren Lösungen bereits angedeutet haben. Sie können in die zwei einander diamentral gegenüberstehenden Hauptformen zusammengefasst werden: Zerstreung oder Konzentration. ❖ * * Gesetzt den Fall, es gelänge, die 15 Millionen Juden gleichmässig in Stadt und Land unter die 15 Hundert Millionen Erdbewohner zu verteilen; sie würden also ungefähr 1 % der Gesamtbevölkerung ausmachen. Dieses Verhältnis liegt erfahrungsgemäss noch unter dem antisemitischen Nullpunkt. Deutschland, wo dieser Zustand vor dem Kriege erreicht war, kann nicht als Gegenbeweis dienen, da dort der grösste Teil der Juden in den Städten zusammengedrängt war.1) Aber gerade Deutschland zeigt uns deutlich, um welchen Preis das Verscheuchen des Judenhasses durch das Mittel der Zerstreuung erkämpft werden musste. Denn obwohl dort diese Zerstreuung noch lange den gewünschten Grad nicht erreicht hatte, sahen sich doch Kenner der Verhältnisse, wie Dr. Teilhaber, Dr. Ruppin und andere veranlasst, in allem Ernst vom „Untergang der deutschen Juden“ zu sprechen. Die unmittelbare Folge der Zerstäubung wäre also in kurzer Zeit das völlige Aufgehen in der Umgebung, das Verschwinden des jüdischen Volkes als solches. * ❖ * Das wäre allerdings eine radikale Lösung, wenn sie überhaupt denkbar wäre. Sie ist aber angesichts der x) Nach Dr. A. Ruppin („Die Juden der Gegenwart“, S.100) wohnten in Preussen 55,06 % aller Juden in den Städten, während die entsprechende Zahl für die Christen nur 19,62% betrug.