Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 116)
- Language
- German
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114 frage untersuchen, stossen wir wieder auf die unvermeidliche Erkenntnis: die jüdische Wurzellosigkeit ist es, die letzten Endes das Plus unserer Leiden gegenüber denjenigen anderer kleinen Völker verursacht. III. Lösungen. a) In der Vergangenheit. Es ist höchst charakteristisch: fast alle uns bekannten historischen Lösungsversuche der Judenfrage sind nicht von den Juden selbst, sondern von den anderen, von den Wirtsvölkern ausgegangen. Ein Beweis mehr, wie töricht es ist, die Judenfrage von innen heraus, vom jüdischen Gesichtspunkte aus allein zu betrachten. Seit jeher suchte unsere Umgebung, dieses sonderbare Rätsel auf diese oder jene Weise zu lösen. Und so wurden die Schicksale der Juden bis vor kurzem ganz und gar von aussen her gemodelt. Passive Resistenz — das war unsere Losung anderthalb Jahrtausende lang. Nachdem die letzten Zuckungen des Bar-Kochbah-Aufstandes verflachten, merkte die zerstäubte Judenheit, dass sie praktisch aufgehört hat, der Schmied des eigenen Schicksals zu sein. (Die „Auserwähltheit“ wurde gewissermassen als für unbestimmte Zeit suspendiert angesehen . . .) Die Lösungen kamen von aussen her und gar manche war recht grosszügig und radikal gedacht. Entweder die systematische Ausrottung (Pharao, Haman), oder gänzliche Vertreibung (Spanien, England, die deutschen Städte im Mittelalter), oder aber gewaltsame Assimilierung (Antiochus). Im zaristischen Russland finden wir endlich alle diese Arten vereinigt. Aber alle deuten in letzter Linie auf eine und dieselbe Auffassung der Judenfrage hin: da dieses Volk keine Miene macht, sich uns anzupassen,