Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 110)
- Language
- German
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109 Es liegt in der Natur der Dinge: der alte Kampf ums Dasein. Wir müssen aber begreifen lernen, dass auch wir diesem Urgesetze unterworfen sind. Wozu? Damit wir die richtigen Mittel herausfinden, welche zu einem siegreichen Ausgang des Kampfes führen. Wir müssen lernen, die Dinge nicht pathetisch, sondern ganz nüchtern zu sehen. Das Verhältnis der anderen Völker zu uns ist qualitativ nicht anders, als zu allen anderen kleinen, schwachen Nationen. Mögen wir uns als etwas besonderes, auserwähltes betrachten, für die anderen sind wir es nicht. Wir sind in das Gefüge der Völkerfamilie unentwirrbar eingesponnen und müssen uns danach richten. Machen wir das, sind wir soweit, so werden wir einsehen, dass wir unsere Lage auch durch keine anderen Mittel verbessern und konsolidieren können, als es sonst üblich und der Brauch ist. II. Ursachen. Vor allem müssen wir uns mit der Tatsache abfinden: das ,,Fremde“ wird überall als überflüssig, schädlich, hassenswert empfunden, je nach der Kulturstufe des Wirtsvolkes und je nach der Anzahl der „Fremden“. Diese Abneigung folgt gewissen Gesetzen. Sie wird gesteigert durch die Wahrnehmung der Wehrlosigkeit der Fremden, sie führt zu erbitterten Bedrückungen, falls der Fremde sich in irgendeiner Beziehung dem Einheimischen überlegen zeigt. Sie wächst proportional dem Quadrate der Anzahl der Fremden und äussert sich besonders stark in Zeiten allgemeiner Aufregung, da Straflosigkeit eher möglich ist. Die direkte Ursache entspricht der gerade die Massen im Augenblick besonders beschäftigenden Fragen. In früheren Zeiten trugen die Vorwände gar oft religiösen Charakter; oder sie hiessen: „Vergiften der Brunnen“; in neuerer Zeit lyncht man die Neger, weil sie