Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
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81 klar, dass Religion, als Privatsaehe betrachtet, unseren Kindern gegenüber als eine der grössten Grausamkeiten bezeichnet werden müsste. Wilhelm Wundt äussert sich darüber: ״Der verbreitete Ruf nach Abschaffung des Religionsunterrichts in der Schule verbirgt unter diesem Namen nach meiner Meinung eine der grössten Kulturbarbareien der Gegenwart. Vom Standpunkte der heutigen Wissenschaft aus betrachtet, kann die biblische Geschichte und der in ihr überlieferte religiöse Gehalt durch nichts anderes und am allerwenigsten durch einen aus irgend welchen anderen Quellen zusammengesetzten sog. Moralunterricht ersetzt werden.“ Und wenn nun doch erkannt wird, dass Religion nicht nur ein wesentlicher Faktor, sondern zu unserem Dasein unumgänglich nötig ist: כי לא על־הלחם לבדר יחיה האדם כי על כל מוצא פי ד׳ יהיה האדם warum soll denn nicht der Inhalt der תורה der Einheitspunkt sein, um den wir uns gruppieren?! Warum soll etwas Schwankendes, Wankendes Einheitspunkt bilden, nachdem wir doch ein Gottesgesetz haben, das ewig unabänderlich wahr bleibt?! Warum sollen wir mit wässerigem, kraftlosen Ersatz vorlieb nehmen, wo wir statt dessen an der Quelle alles Guten und Stärkenden zu sitzen vermögen?! Naturgemäss sollten wir alle uns ganz einfach um das Banner der תורה scharen. Die Entwicklung hat jedoch dazu geführt, dass heute von vielen Tausenden Palästina als solcher Einheitspunkt betrachtet wird. Insofern als Palästina das einzige Land ist, wo das Judentum sich in Reinkultur entwickeln kann, können wohl wir Juden alle uns hier die Bruderhand reichen. Zion und Jerusalem bedeuten ja seit jeher für uns Inbegriff aller Herrlichkeit und Heiligkeit. An Palästina knüpfen uns die geschichtlichen und religiösen Erinnerungen und so viele Gesetze, deren Erfüllung von dem Bewohnen des Landes bedingt ist. Nach Jerusalem gewandt verrichten wir 6