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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1920-01-01 · 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920) · p. Seite 80

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
Issue
5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 80 (sequence 81)
Language
German
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80 Lager spalten, so haben wir mit den sog. Orthodoxen und sog. Liberalen zu tun. Man sollte meinen, dass es an der Zeit wäre, alle diese Bezeichnungen schwinden zu lassen und nur noch von Judentum im Sinne des traditionellen Judentums zu reden. Vorüber sind die Zeiten, wo das sog. neologe Judentum an rationellen Erklärungen Befriedigung fand. Man wähnte keiner Symbole, Zeremonien und Traditionen zu bedürfen und vergass, dass alle schöngeistigen Ergüsse weniger erweckende Macht haben, als der leiseste Hauch eines traditionellen Gebrauchs. Man glaubte, dass es genüge, wenn man nur dem Bekenntnis treu bleibe, wenn man auch den grössten Teil des Bekenntnisses über Bord geworfen habe. Und man vergass, dass Symbole nötig sind und wichtiger sind als alle Beweise der Denker, süssliche Erbauungsschriften und Orgelklang. Das Leben lässt sich nicht nach den Regeln der kalten Vernunft bemessen, das Leben lebt sich nur. Verstand allein ist schal und lehrt wohl, dass man essen muss, um zu leben, aber lehrt nicht, wie man leben muss. Ein Judentum, das nur eine Scheinreligion markiert, das die sog. Geistliehen in ihren Tempeln festgehalten wissen will oder die Religion als Privatsache behandelt, ist kein Judentum. Mag Herzl ein grosser Mann gewesen sein — und er war ein grosser Mann —, es wäre wahrlich blöde Nachtreterei, wollte man auch seine Fehler nachahmen. Herzl verzeihen wir es, wenn er in seinem ״Judenstaat“ die Religion als Privatsache betrachtet. Nicht aber verzeihen wir es denen, die daran festhalten, obgleich sie inzwischen erkannt haben müssen, dass die Religion ein wesentlicher Bestandteil ihres Nationalismus sein muss und es einen wahren Nationalismus ohne die Sabbathidee z. B. gar nicht gibt. — Es geht nicht mehr an, unsere Bibel als blöde Kindersagen stempeln zu wollen. Auch die heutige Wissenschaft erkennt schon

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