Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
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82 das Gebet und um Jerusalems Neugestaltung beten wir mehrfach an jedem Tage. Selbst wenn unser Körper zu Staub wieder werden soll, so lassen wir ihn, mit Jerusalems heiliger Erde unter dem Haupte, in der Richtung nach Jerusalem in die Erde legen. Bei jedem Leid gedenken wir auch Zions einstiger Herrlichkeit, und keine Freude ist so gross, dass wir darüber Zions vergessen könnten. Und innigst fühlen wir alle das Bedürfnis, Zions Lehre von der Einheit der Menschheit, der Nächstenliebe und der Sittenreinheit, einer ganzen Welt zu künden, um auf diese Weise recht bald den Liebesbund der Menschheit herbeizuführen. Wir sind uns dabei wohlbewusst, dass wir Juden erst dadurch, dass wir ein thoragemässes Leben führen, dazu heranreifen, Priester der Menschheit zu werden, das Heil der Menschheit mit Erfolg anzustreben. Zions Lehre bezeichnet als ihren Hauptgrundsatz, alle Menschen zu lieben und verbietet gegenüber jedermann, welcher Abstammung er auch sei, welcher Nation oder Religion er auch angehöre, jede Art von Gehässigkeit, Neid, Missgunst und liebloses Verhalten. Zions Lehre fordert vielmehr Recht und Gerechtigkeit. Solch eine Lehre — das ist klar — muss ihre Anhänger glücklich machen, ihnen bei allen Verständigen Ehre und Hochachtung einbringen und das Heil der Welt bedeuten. Beinahe zweitausend Jahre lang haben wir auch in allem Goluthleid die Hoffnung auf unser Land nicht auf gegeben. Je mehr Schläge der äusseren Verfolgung uns betäuben, um so mehr haben wir aus der Horebquelle Trost und Vergessenheit der Leiden geschöpft und haben התלהבות Feuer und Begeisterung in die Seelen gegossen. Nun ist uns Gelegenheit geworden, Sklaverei gegen Freiheit, ein Leben fader Leere gegen ein Leben der Selbständigkeit und des Glücks einzutauschen. ״Das Volk, das im Dunkel wandelte, soll nun ein grosses Licht