Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 71)
- Language
- German
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70 der Auslandshilfe (Adoptions-Zentralen, Kinderzüge und Schiffe nach Übersee), Heranziehung des Staates zur Hilfe usw., usw. Ihre Thesen sind in der Resolution aufgenommen, welche die Kinderhilfe als einen integrierenden Bestandteil des gesamten Hilfswerk erklärt. Vorgängig einiger Zahlen, die die ungeheure Aufgabe der Kinderhilfe beleuchten, sei darauf hingewiesen, dass sie in gleichem Masse ein Problem der Erziehung und der Schule, und also auch der Weltanschauung ist. Diese letztere war denn auch die Stelle, wo die Konferenz verwundbar war; es durfte nicht vergessen werden, dass das Hilfswerk nur gelingen kann, wenn es vom Vertrauen der grossen Massen getragen und unter ihrer Mitwirkung ausgeübt wird; es durfte nicht vergessen werden, dass grosse Massen des jüdischen Volkes niemals die materielle Hilfe erkaufen werden um den Preis des seelischen Gutes, das ihnen die überlieferte jüdische Lehre bedeutet. Die Klippe ward umschifft mit der Annahme folgender, von Rabbiner Dr. Hoffmann, Bukowina, im Namen einer Gruppe gesetzestreuer Delegierter eingebrachten Resolution: „Die Welthilfskonferenz setzt voraus, dass die Zentralinstanzen alle Institutionen für Wohlfahrt, Fürsorge und produktive Arbeit so einrichten werden, dass gesetzestreue Juden sie in Bezug auf rituelle Fragen und Sabbatheiligung benützen können.“ Auch hier darf hervorgehoben werden, dass neben andern Anita Müller — sie wurde von einem Redner die „Einzige“ genannt — Verständnis für das Fühlen und die Bedürfnisse des orthodoxen Judentums bekundet und für die einstimmige Annahme obiger Resolution gewirkt hat. Nun war die Bahn frei für die reibungslose Diskussion der materiellen Frage: Wie können 5—6 mal Hunderttausend jüdische Waisen, die vielen tau-