Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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68 den Plan, dessen Broschüre „Vor dem Wandersturm“ schon vor mehr als Jahresfrist die jüdische Öffentlichkeit vor dem laisser aller, laisser faire, gewarnt hat. Dr. Kahn bezeichnet als Wanderziel Amerika, Canada, Argentinien, welche Länder noch unbegrenzte Möglichkeiten bieten und der Einwanderung nicht allzugrosse Schwierigkeiten bereiten. Palästina, das Land der jüdischen Sehnsucht und Yerheissung, das heute auf aller Lippen ist, kann jährlich höchstens 60—80,000 Juden aufnehmen, deren Zulassung aber auch noch nicht gesichert ist. Es liegt aber eine Tragik in der Tatsache, die auch den Zionisten schwere Bedenken bereitet, dass heute, wo Vielen der jüdische Traum der Erfüllung nahe scheint, das heilige Land nicht vorbereitet ist, die jüdischen Wandermassen aufzunehmen. Doch was uns heute als Tragik erscheint, mag im weisen Plan des Weltlenkers liegen. Sind wir denn vorbereitet, schon durchs Ziel der Erlösung zu schreiten? — Nathan Birnbaum nimmt in magistraler Rede diesen Gedanken auf. Wenn Trietsch, welcher die Aufnahmemöglichkeiten in Palästina auf Millionen schätzt, die These aufstellt, dass dieses Land heute schon das Hauptziel der jüdischen Wanderung bilden soll, verlangt Birnbaum Einbettung des Palästinaproblems in einen Komplex mit dem gesamten Emigrationsproblem. Amerika, Canada usw. sollen grössere, nicht allzugrosse, jüdische Siedlungen bilden; dort soll die Umschichtung der Kolonisten in Ackerbauer und andere produktive Berufe stattfinden, und dort soll das Reservoir entstehen, von dem die Besiedelung des heiligen Landes, nicht im Geiste der europäischen Kulturpest, sondern im Geiste der jüdischen Tradition geschehen kann. In diesem Zusammenhänge mag ein Wort von David Trietsch erwähnt werden, in dem er die Juden an der Klagemauer Jeru-