Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 44)
- Language
- German
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45 sie endigen werden, das bestimmt Gott ״von oben“ her. Die göttliche Schrift ist ״von unten“, das heisst von uns Menschen aus, nicht zu enträtseln. Wir können Gottes Walten nur ahnen und dankbar verehren. Die Rückkehr nach dem heiligen Land war immer die Sehnsucht des jüdischen Herzens. Freilich hat vor wenigen Tagen ein Gelehrter, dessen wissenschaftliche Grösse von seinem verblendeten Hass gegen das Judentum weit übertroffen wird, von unserem jüdischen Volke behauptet, wir seien vaterlandslos; denn als Cyrus den Aufruf zur Rückkehr in die Heimat ergehen liess, seien nur 42000 Juden dorthin übergesiedelt. Dann aber wären alle Völker vaterlandslos, denn Tausende von Menschen verlassen alljährlich ihre Heimat, um sich jenseits des Weltmeeres bessere Lebensbedingungen zu suchen. Wie trostlos sah es damals im heiligen Lande aus! Fremde Völkerschaften, Samaritaner oder Kutäer, waren im Lande angesiedelt, und dieses selbst war öde und verwüstet. Wenn man gerecht sein will, kann man daher nicht diejenigen schelten, die nicht gleich auf den ersten Ruf des Cyrus hin ihre Existenz im persischen Weltreich aufgaben und dem heiligen Land zustrebten; wir müssen vielmehr diejenigen bewundern, die voller Begeisterung und Wagemut dorthin eilten, einer ungewissen und schwierigen Zukunft entgegen. Der Vorwurf der Vaterlandslosigkeit trifft uns nicht. — Der Jude liebt das Land, das ihm Zuflucht gewährt; er liebt es und ist bereit, alle Opfer für sein Gedeihen zu bringen, er liebt sein Vaterland, auch wenn es ihm nur zum Stiefvaterland geworden ist, das ihm volle Pflichten aufladet, aber nur geminderte Rechte gewährt. Aber in dem Herzen jedes Juden lebt die Liebe zu dem Lande seiner Väter. Fast sind zwei Jahrtausende vergangen, seitdem wir es verlassen mussten. Aber noch immer beten wir dreimal täglich nach Osten