Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 29)
- Language
- German
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30 I lassen, zumal es notorisch feststeht, dass auch angej sehene westliche Juden, mögen sie orthodox oder liberal \ sein, in den letzten Jahren in Zürich der Einbürgerung j für unwürdig befunden wurden. Man täusche sich nicht i darüber hinweg: ein Erlass einer Sondergesetzgebung, | und wenn auch nur für die Ostjuden, würde einen Riss j durch jene Urkunde bedeuten, die, kaum trocken, uns | die Emanzipation verbürgen sollte. Dass es soweit! kommen wird, können wir einstweilen noch nicht glauben, j Der Grosse Stadtrat wird demnächst im Plenum die | Angelegenheit zu behandeln haben. Dort werden hoffentj lieh Männer auf stehen, die dem jüdischen Standpunkt | gerecht werden. Nicht von mehr Verständnis und Wohlwollen für die jüdische Gemeinschaft zeugt die im Zürcher Kanj tonsrat eingebrachte und mit 120 gegen 58 Stimmen | für erheblich erklärte Motion, welche eine Aufhebung j der Dispensierung der jüdischen Schulkinder j von den Schreibarbeiten am Sabbath fordert. j Zur Begründung der Motion wurde darauf hingei wiesen, dass die Zahl der am Sabbath nicht schreibenden i I Schüler in der letzten Zeit sehr gewachsen sei, und dies I in der Lehrerschaft zu einem Missbehagen geführt habe. \ i Erfreulich war die Art und Weise, wie von Seiten des j Regierungsrates zu der Motion Stellung genommen j wurde. Es wurde hervorgehoben, dass lediglich die j Behauptung, die in Betracht kommenden Judenkinder jj könnten das gewünschte Lehrziel nicht erreichen, eine | Aufhebung des Dispenses rechtfertige. Dies sei aber J nicht der Fall. Die anderen Schwierigkeiten könnten J bei gutem Willen überwunden werden und die Übung | von Toleranz, auch gegenüber armen Juden, sei angef bracht, selbst wenn dadurch einige Unannehmlichkeiten } erwüchsen, denn es sei keine Kunst, nur solange tolerant | zu sein, als es bequem ist. Es ist zu hoffen, dass der Zür- |