Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 26)
- Language
- German
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27 vergangenen Jahre wiederholt eine ausgesprochen juden- | feindliche Gesinnung zum Ausdruck und eine bestimmte ) Gruppe von Zeitungen scheint es sich nach berühmten Mustern geradezu zur Aufgabe gemacht zu haben, den | Judenhass im Volke zu schüren. Hiebei hat man gerade j unter den gegenwärtigen Zeitverhältnissen leichteres Spiel, j als jemals, ganz besonders, wenn man bestrebt ist, hin- | sichtlich vielfacher wirtschaftlicher Misstände den Juden | als Sündenbock hinzustellen, als denjenigen, der durch j Preistreibereien, Kettenhandel und unlautere Geschäfts- 1 praktiken die derzeitige allgemeine Notlage verursacht hat. Ein in diesen antisemitischen Angriffen immer j wiederkehrendes Moment ist der Hinweis auf die durch | Einwanderung aus dem Osten zunehmende jüdische Be- | völkerung der Schweiz und die hierauf sich stützende | Forderung, dass von Seiten der Behörden gesetzliche I und administrative Massnahmen zum Schutze vor dieser j drohenden ostjüdischen Überfremdung getroffen | werden, Massnahmen, die letzten Endes auf nichts anderes I hinauslaufen würden, als auf eine Sondergesetzgebung 1 gegen die Juden. | Der Beginn einer solchen Sondergesetzgebung, wenn | auch vorerst nur eines Entwurfes, kann bereits in der | Weisung des Zürcher Stadtrats an die bürgerliche I Abteilung des Grossen Stadtrats vom 3. Juni 1920 betreffend Revision der Einbürgerungsgrundsätze erblickt werden. Waren bisher, auf dem Papier wenigstens, I Konfession und politische Stellung des Bewerbers bei | der Bewertung des Einbürgerungsgesuches nicht in I Betracht gezogen worden, so sah sich nunmehr durch die starke Zunahme der Zahl der Ostjuden der Stadtrat | in Zürich zu ernsten Bedenken veranlasst, die ihm eine I Neuorientierung in Einbürgerungsfragen angezeigt erj scheinen liess. Diese staatlicher oder sozialer Bedrän- 1 gung im Osten ausweichenden Juden kommen, so heisst