Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 246)
- Language
- German
- Belongs to
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236 wäre, da es Zeit war! Lieber arm und elend, frei und offen der Wahrheit leben, als im Reichtum stets in Furcht zu sein um das immerwährend bedrohte Leben! Doch es ist einmal so, und wir, die wir in diesen Zustand ohne unser Verschulden geraten sind, müssen uns dem Zwange fügen.“ „Ich hatte einen Grossoheim,“ fuhr er, zu Perez gewendet, fort, „der in bezug auf unser unglückliches Geschick, auf die Vertreibung der Juden aus Spanien ein hebräisches Gedicht verfasst hat, das wie die Hagadah mit den Worten: ,Mah NischtannalF beginnt. Es ist Brauch in unserer Familie, dieses Lied am Sedertische zu singen.“ Dann begann er nach einer traurigen, herzergreifenden Melodie ein Lied zu singen, in dessen Refrain Frau, Tochter und der alte Alonzo einstimmten, und das auf deutsch folgendermassen lautet: „Ich will dir, Gemeinde Jakobs, Fragen vorlegen: „Wie unterscheidet sich diese Nacht von anderen Nächten? „Wie unterscheidet sich diese Nacht von jener, da ich zur Freiheit auszog? „In jener Nacht lebte Gesang in meinem Herzen, aber diese Nacht ist voller Zerrüttung, Zerstörung, Vernichtung. „Deshalb erhebe ich bitterlich wehklagend meine Stimme! „Wie unterscheidet sich diese Nacht von jener, welche der Offenbarung am Sinai voranging? „In jener Nacht war die Gemeinde Jakobs einer vollkommenen Taube gleich, aber in dieser Nacht gleiche ich dem trauernden Vogel in der Wüste. „Deshalb erhebe ich mit verbittertem Herzen meine Stimme in finsterer Zeit! „Wie unterscheidet sich diese Nacht von jener des Neujahrsfestes?