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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1919-01-01 · 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919) · page 240

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
Issue
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
Date
1919-01-01
Page
– (sequence 240)
Language
German
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Eine Sedernacht in Madrid. i. Lasst uns, liebe Leser, unsere Blicke einem merkwürdigem Vorkommnisse zuwenden, das uns in alten Schriften aufbewahrt worden ist. Als im Jahre 1492 Isabella die Katholische das grausame Verbannungsdekret erliess und zur Ausführung brachte, lebten nahezu eine halbe Million Israeliten in Spanien. Sie hatten dort länger als 1000 Jahre gewohnt, hatten Ackerbau, Handwerke und Künste getrieben, grosse Hochschulen besessen und viele bedeutende Männer hervorgebracht. Viele vornehme israelitische Familien gehörten dem hohen Adel des Landes an. Zu jener Zeit war Don Jizchak Abarbanel Minister am spanischen Hofe. Als er von dem schrecklichen Verbannungsdekret vernahm, raffte er sein ganzes Vermögen, 30,000 Goldstücke, zusammen und bot sie dem König Ferdinand an. Dieser war bereit, auf das Anerbieten einzugehen; allein Kardinal Ximenes hielt ihm das Bild des Stifters der christlichen Religion entgegen und sprach: „Um 30 Silberlinge hat Judas seinen Herrn verraten, willst du, o König, ihn um 30,000 Goldstücke verkaufen?“ Das grausame Dekret wurde ausgeführt. Die grosse Mehrzahl unserer spanischen Glaubensgenossen gaben das teure Vaterland auf, verliessen die Stätte, wo die Gebeine ihrer Väter ruhten, Hessen ihre Häuser, Felder, Gärten und Weinberge, die kein Mensch kaufen wollte, im Stich, und zogen hinweg in Elend und Not, nach Nordafrika, nach der Türkei, nach Italien.

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