Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 233)
- Language
- German
- Belongs to
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223 Und sieh, Rahel, mit dem Krug auf dem Kopie, führt ihre Herde zur Tränke. Sie ist ja Schäferin. Und Jakob wälzt den Stein von der Brunnenöffnung... Der Zug verlässt das schöne Tal und fährt ins stolze Gebirge Juda ein. Bahnt sich seinen Weg durch eine schmale Felsenschlucht. Durchs Fenster sieht man nichts als gewaltiges Gestein — eine ungeheure Festung vor Jerusalem. Könnte einmal ein Meer gewesen sein, das zu einem Berg versteinerte. Nur an manchen Stellen weitet sich die Schlucht. Dann sieht man die Berge hintereinander, wie sie einer über des andern Kopf sich erheben. Zuweilen ist es, als ob ein grosses Stück aus einem Berg herausgerissen wäre — ein so tiefes, finsteres Loch gähnt auf, aus dem Nacht und Schrecken herauslugen. In einem dieser Löcher, so erzählt man, hat Simson, als er zu den Philistern nach Timnath ging, den Löwen getroffen und in Stücke gerissen. Im Gebirge Juda, wie eingemauert in den Fels, liegt auch Bethar. Ich weiss nicht, ob das dieselbe Stadt ist, . in der Bar Kochba mit den Römern kämpfte, und ob es wirklich das Gebirge Juda war, in dem Simson den Löwen traf. Aber wer diese Berglandschaft in ihrer unheimlichen Stille, in ihrer steinernen Schroffheit, in ihrer schreckensvollen Kälte gesehen hat — glaubt, dass hier Helden wie Simson und Bar Kochba gelebt haben können. Diese Berge erzählen von Kraft und Löwengebrüll... In Bethar wurde es in unserem Wagen lebendig. Christliche Schulkinder stiegen ein, mit ihren Lehrern, französischen Missionären. Sie fuhren von einem Ausflug nach Jerusalem zurück und waren sehr lustig, unterhielten sich mit ihren Lehrern, die ihnen väterlich entgegenkamen, sie um sich sammelten und ihnen Geschichten erzählten ... Mir wurde traurig zu Mute. Ich sah die Gefilde Jerusalems vor mir und fremde Kinder, die auf ihnen spielten. Nicht, dass ich es den fremden Kindern nach-