Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 205)
- Language
- German
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198 Christen an jüdischen Hochzeiten wird untersagt.1) Immer enger ward der Wirkungskreis der Juden, immer grösser der Hass gegen sie, immer stärker die Verfolgungslust ihrer christlichen Mitbürger. Man glaubte ein gottgefälliges Werk zu vollbringen, wenn man diese verfolgen würde, die den Heiland gekreuzigt haben. Die Gier nach dem jüdischen Gelde war zu gross, als dass man ihr widerstehen könnte. Es entstehen die Märchen von Brunnenvergiftung, Kindermord, Hostienschändung, die so viel jüdisches Blut kosteten. So wurde im Jahre 1349 nach verschiedenen Chroniken angeblich ein Schuhmacherknabe namens Wyden von den Juden zu Tode gemartert und dann nach Verwendung seines Blutes in den Wolfbach geworfen. Dort sollte er von einem Knaben Walter von Wyl aufgefunden worden sein und als Märtyrer in der Grossmünsterkirche beigesetzt, dann zum Heiligen erhoben worden sein. Die verdächtigen Juden wurden gefoltert, und nachdem sie unter den unmenschlichen Qualen die Tat eingestanden haben sollen, wurden sie verbrannt. Die ganze Geschichte erscheint jedoch ziemlich fraglich, da man verschiedene Widersprüche in den Erzählungen finden kann. Da kam das Jahr 1348. Aus Asien her kam die Pest, die „mors nigra“, der schwarze Tod und raffte alles Lebende hinweg. Städte blieben ohne Einwohner, ganze Dörfer sind in einigen Tagen ausgestorben. Die Toten, die man nicht mehr bestatten konnte, lagen überall herum und verbreiteten die Pest. Hunderte von Dörfern konnte man durchwandern, ohne irgend einen Menschen zu finden. Eine unbeschreibliche Angst ergriff die Menschen. Und in dieser Stunde erinnerten dich die Verkünder der Heilsreligion, voran die Mönche, dass es doch sicher die Juden seien, die diese Pestilenz über die Welt brachten. i h Dr. E. Bär. Die Juden im Mittelalter. S. 140.