Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 206)
- Language
- German
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199 Das Märchen der Brunnenvergiftung wurde wieder hervorgeholt und damit die Entstehung und Verbreitung der Pest erklärt. In allen Städten Deutschlands beginnen die schlimmsten Judenverfolgungen, die bei weitem diejenigen der Kreuzzüge übertrafen. Der Judenhass kennt keine Grenzen. Über den Rhein kam er nach Helvetien und verbreitet sich hier mit einer unheilvollen Schnelligkeit. In Zofingen, Basel, Bern, Winterthur wütete in grausamster Weise der verhetzte Pöbel gegen die Juden. Auf der Kyburg wurden 330 Juden gegen den Willen des Herzogs Albrecht, der sie zu schützen bereit war, verbrannt. Auch Zürich blieb nicht verschont. Am St. Matthäustage wurden hier die Juden in unbekannter Zahl verbrannt. Der erzürnte Kaiser wird mit dem geraubten Gute der Gemordeten besänftigt. Die zweite Hälfte des XIV. Jahrhunderts verlief für die Zürcher Juden ohne Störungen. Am Anfang des XV. Jahrhunderts wird jedoch ihre Lage wieder unsicher. Unter dem Einfluss der Judenverfolgungen in anderen Städten beginnen die Stimmen gegen sie immer lauter zu werden. Der Rat macht Anstrengungen, um sie zu schützen, oft jedoch ohne Erfolg. Er zieht sich dadurch Beschuldigungen seitens der Bürger zu, die behaupten, der Rat unterdrücke Nachrichten über Judenvergehen usw. So sehen sich die Räte im Jahre 1423 gezwungen, die Juden völlig zu vertreiben. Der Beschluss der Bannisierung wird jedoch bald darauf rückgängig gemacht. 1435 werden alle Wucherer aus der Stadt gewiesen. Ein Jahr später müssen nach einem Ratsbeschlusse sämtliche Juden Zürich verlassen. Doch scheint ihre Abwesenheit von der Stadt nicht lange gedauert zu haben. In den nächsten Jahrzehnten begegnen wir noch einigen Juden in den Zürcher Dokumenten. Vom Jahre 1490 findet man jedoch keine Spur von ihnen in den Ratsannalen der Stadt. Wir hören nichts mehr über jüdische Ansiedelungen in Zürich. „Die