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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1919-01-01 · 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919) · p. Seite 192

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
Issue
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 192 (sequence 199)
Language
German
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192 war das Beieinanderwohnen fast zur Notwendigkeit geworden. Es war selbstverständlich in jenen schweren Tagen keine Rede davon, dass die Juden dadurch irgendwelche Ziele, die z. B. zur Erleichterung der Selbstwehr führen konnten, verfolgten. Die gemarterten, geplagten Söhne Jakobs hatten längst jeden Mut auf aktiven Widerstand verloren. Wie sollten sie den bewaffneten Horden, die sie oft überfielen, Widerstand leisten? Ihre einzige Waffe war der Glaube und auch nicht selten das Geld, mit dem sie sich den Schutz der Mächtigen zu gewinnen wussten. Von einer Welt von Feinden umringt, wollten sie zusammenwohnen, weil sie sich wohler, sicherer fühlten in den Zeiten der Not. Anderseits war es die christliche Umwelt, die die Juden zwangsweise in die Ghetti einschloss. War es doch das Oberhaupt der Kirche, der Papst, der oft Anordnungen in dieser Hinsicht traf. So zitiere ich nach Ulrich eine Stelle aus der Bulle des Papstes Paulus des IV. der bestimmte „Quod Judaei in locis separatis a Christianorum domibus habitare debeant“, dass die Juden in abgesonderten Orten von den christlichen Häusern wohnen sollten.1) So entstand auch in Zürich die Judengasse (Brungasse, Froschaugasse). Die Juden besassen noch in anderen Teilen der Stadt Häuser, scheinen dieselben aber nicht bewohnt zu haben.2) So haben wir im Jahre 1311 ein Judenhaus am Rennweg. Das Zentrum des jüdischen Lebens scheint aber in der Judengasse gewesen zu sein. Hier befand sich die Synagoge, wahrscheinlich Brungasse 9 (der sogenannte heutige „Burghof“). Diese Annahme wird jedoch von verschiedenen Seiten bestritten, obwohl sich im Jahre 1750 auf diesem Hause die Embleme!) J. C. Ullrich: Sammlung jüdischer Geschichten, welche sich mit diesem Volk in dem XIII. und den folgenden Jahrhunderten bis MDCCLX in der Schweiz von Zeit zu Zeit zugetragen. Basel MDCCLXVIII. S. 26 f. 2) Dr. Emil Bär: Die Juden Zürichs im Mittelalter im Zürcher Taschenbuch aus dem Jahre 1896 S. 127.

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