Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 170)
- Language
- German
- Belongs to
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167 kompetent, um mit einem derartigen rationellen Allheilmittel zu dienen, und müssen uns deswegen damit begnügen, ein paar Anregungen zu geben, die vielleicht einen guten Boden zur Weiterbearbeitung finden können, oder andere veranlassen werden, bessere Modalitäten ausfindig zu machen. Wir müssen uns darüber klar werden, dass eine Hauptursache für einen scharfen Schulkampf der staatliche Schulzwang bildet. Wenn der Staat die Eltern verpflichtet, ihre Kinder in Schulen zu senden, so übernimmt er dadurch die moralische Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass es Schulen gibt, und werden die Behörden genötigt, aus den Staatseinnahmen — also aus Geldern, die von Bekennern der verschiedensten Weltanschauungen zusammengebracht sind — einen Teil für Schulzwecke zu bestimmen. Wenn es aber keinen staatlichen Schulzwang gibt, so fällt zunächst die vorerwähnte moralische Verpflichtung für den Staat weg und das Unterrichtswesen kommt in den Bereich der privaten Initiative. Wäre dies ein kultureller Rückschritt? Wir sind daran gewöhnt, den Schulzwang als einen Fortschritt zu betrachten, und sehen mit einem gewissen Lächeln auf Länder herab, welche dieses Kulturglückes noch nicht teilhaft geworden sind. Selbstverständlich stellt der Schulzwang einen Fortschritt dar, aber doch nur im Vergleiche zu Zeiten, in welchen Eltern nicht die Verpflichtung fühlten, ihre Kinder einer geistigen Erziehung zuzuführen. Wir brauchen aber keine besondere Phantasie, um uns vorzustellen, dass nach einigen Jahrhunderten die Geschichte unseres Zeitalters ungefähr wie folgt dargestellt wird: Es war ein Zeitalter der rein äusserlichen Kultur, ohne irgendwelche tiefere Erkenntnis oder tiefere Empfindung. Mord war verboten, Judenpogrome wurden aber nicht bestraft, und die Beteiligungam Weltkrieg galt als besonders lobenswerte Leistung. Es lässt sich dies alles verstehen, wenn