Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 169)
- Language
- German
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166 welche die jüdische Jugend für das Leben vorbereiten, indem sie ihnen die nötigen „profanen“ Kenntnisse beibringen, zugleich aber das spezifisch jüdische, die Thora, die „unser Leben und die Verlängerung unserer Tage“ ist, nicht vernachlässigen, sondern im Gegenteil die Thora in die Mitte des Unterrichtes stellen. In allen Kulturstaaten bildete im vergangenen Jahrhundert die Schulfrage den Gegenstand des schärfsten politischen Kampfes, und vielerorts ist dies heute noch der Fall. Es ist dies nicht zu verwundern, wenn man überlegt, wie weit die verschiedenen Weltanschauungen auseinander gehen, und dass, je tiefer eine Weltanschauung bei ihren Bekennern Wurzel gefasst hat, umsomehr denselben daran liegen muss, die künftige Generation für diese Weltanschauung zu gewinnen und alles von ihr fern zu halten, was sie dieser Weltanschauung entfremden könnte. Dort wo der Unterricht ein obligatorischer ist, führt er zu einem Gewissenskonflikt, wenn die Schüler in Anschauungen erzogen werden, die denen ihrer Eltern zuwiderlaufen. In dem erhofften jüdischen Gemeinwesen in Palästina dürfte die Schulfrage inmitten des schärfsten politischen Kampfes stehen. Die Verhältnisse sind dazu prädestiniert, dass bei uns dieser Kampf noch schärfere Formen annehmen muss als sonstwo. Sich hierüber hinwegzutäuschen, wäre eine Vogelstrausspolitik. Und dennoch sind wir davon überzeugt, dass mit gutem Willen auf allen Seiten eine Möglichkeit bleibt, diesen Kampf auszuschalten, ohne dass man die Zuflucht zu einer niemandem verständlichen „Verständigung“ oder einem die wichtigsten Prinzipien verleugnenden Kompromiss nehmen müsste. Wenn man in vollem Bewusstsein, dass das neue jüdische Milieu niemals den einen zum Paradies und gleichzeitig den anderen zur Hölle werden darf, nach einem richtigen Modus sucht, so dürften sich gangbare und befriedigende Wege finden lassen. Wir sind nicht genügend