Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 167)
- Language
- German
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164 ist er nicht fähig, an ihrer pflichtgemässen Verbreitung in Israel mitzuwirken. Die Thora-Wissenschaft soll nicht das Privileg eines kleinen bevorzugten Kreises, sondern das „Erbteil der G em e i n d e Israels“ sein. Wir können uns in unserem Zeitalter und besonders in Westeuropa keine Vorstellung davon machen, welche glücklichen Folgen die Durchführung dieses Gesetzes für die Allgemeinheit haben müsste, und wollen nur darauf hinweisen, dass sie, abgesehen von allen anderen Konsequenzen, eine wirkliche Kulturgemeinschaft des ganzen Volkes schaffen, oder doch mindestens einem grösseren Klassenunterschied in kultureller Hinsicht Vorbeugen müsste. In welcher Weise während unserer vieltausendjährigen Vergangenheit diesem biblischen Gesetze zu seinem Rechte verholfen worden ist, darüber können wir hier nur einiges erwähnen. Eine ausführliche Darstellung würde uns zwingen, die ganze Geschichte unseres Volkes aufzurollen. Es ist klar, dass die jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse bei der Ausübung der Lehr- und Lernvorschrift von bedeutendem Einfluss gewesen sind. Dort wo die Väter genügende Thora-Kenntnisse erworben hatten, lag ihnen selbst die Pflicht ob, sie ihren Kindern beizubringen. Ausserdem verpflichtet die Thora besonders die Leviten, „sie sollen Deine Satzungen Jakob lehren, und Deine Thora Israel“. Die vollständige Kenntnis der gesamten mündlichen Lehre blieb aber während vieler Jahrhunderte (vgl. Aboth, 1,1 und Maimonides, Jad Hachasaka, Einleitung) das Eigentum eines kleinen Teiles des Volkes. Diese Gelehrten bemühten sich zwar eifrig um die Verbreitung der Gotteslehre. Aber selbst zur Zeit des Propheten Jesaja war der Wunsch: alle Deine Kinder werden der Gotteslehre kundig sein, ein Ideal, dem die Wirklichkeit nicht entsprach. Den Kern der geistigen