Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 161)
- Language
- German
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158 des Jahrhunderts tätig gewesen sein muss, noch eine gewisse Steifheit und Ungeschicklichkeit in der Behandlung der Figuren, jedoch lassen uns die zarten Übergänge von Licht zu Schatten und die Sorgfalt der Durchführung diese Mängel leicht vergessen. Der »Meister der Spielkarten« hat auch einige Darstellungen aus dem alten Testament gestochen, die als Parallelerscheinungen zur Heidelberger biblia pauperum gewertet werden dürfen. Etwa 20 Jahre später begegnen wir dem unter dem Namen »Meister E. S. von 1466« bekannten Stecher, der seine Ausbildung wahrscheinlich im Eisass erhalten hat und der sich ernsthaft dem Studium der Niederländer, wie Roger Van der Weyden, gewidmet haben muss. In der zeichnerischen Auffassung weicht der Meister E. S. vom Meister der Spielkarten nicht unerheblich ab: seine Gestalten sind schlanker, sehr lebhaft, voll verständiger Bewegung und von charakteristischem Ausdruck. In technischer Hinsicht brachte es dieser Stecher erheblich weiter als seine Vorgänger; er versteht den Grabstichel leicht und geschmeidig wie eine Zeichenfeder zu führen und erzielt durch eine besondere Manier der Schattengebung vorzügliche, plastische Wirkungen. Ganz deutlich gibt sich dies bei der einzigen Szene aus dem alten Testament kund, die ich von diesem Stecher feststellen konnte. Das Blatt stellt Simson, der den Löwen zerreisst, dar. Mit einer ungeheuren Vehemenz hat der Künstler die übermenschliche Anstrengung Simsons in Geste und Haltung zum Ausdruck gebracht. Einen wirkungsvollen Gegensatz gibt die Landschaft zu der aufregenden Kampfesszene ab — wie eine sanfte Abendstimmung mitten in einem Feuerbrand ruhen die Häuschen friedsam nebeneinander, ohne dass der Meister die Natur an der Gesamtstimmung teilnehmen liess. Der bedeutendste Stecher des 15. Jahrhunderts, Martin Schongauer, den wir auch als Maler kennen, hat sich der Motive des alten Testamentes nicht angenommen. — Unter den niederländischen Stechern können wir den Meister F. V. B. er-