Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 160)
- Language
- German
- Belongs to
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157 Jakobus Argentoratensis, der offenbar seine Ausbildung in der Strassburger Werkstatt Grüningers empfangen hatte und der auf die gesamte Holzschneidekunst Venedigs von weitgehendem Einfluss wurde. Man kann im grossen zwei verschiedene Stilrichtungen in Italien unterscheiden: Zu der einen Gruppe, bei der die Lichter und Schatten stark voneinander abgesetzt sind und sich die Figuren durch kräftige, der Auffassung des Mantegna sich nähernden Formen charakterisieren, sind in erster Linie die unter dem Titel »Vite del santi padri« erschienenen Rundbilder zu rechnen. Die andere Stilrichtung ist weit weniger individuell und interessant und es haben sich auch als Belege keine erwähnenswerte, alttestamentarische Dokumente erhalten. Im Gegensatz zu den Holzschnitten, denen wir bisher unsere Aufmerksamkeit zuwandten, werden wir bei der Besprechung der im 15. Jahrhundert entstandenen Kupferstiche keine Sammelwerke, sondern Darstellungen einzelner namhafter Künstler zu betrachten haben. Der Holzschnitt hat zweifellos dem Kupferstich zum Vorbild gedient und während jener aus der Hand geschickter Gehilfen seine letzte Vollendung erhielt, ist der Stich aus der Werkstätte der Goldschmiede hervorgegangen, die im selbständigen Entwerfen und Zeichnen wohl bewandert waren und meist auch das Malergewerbe damit verbanden. Es liegt im Charakter des Kupferstiches, dass er dem Künstler alle Möglichkeiten einer individuellen und mannigfaltigen Behandlung offen lässt. Daher gibt uns das Studium der Entwicklungsgeschichte nicht nur ein Bild des technischen Fortschrittes, sondern es entspricht im wesentlichen den Richtlinien, die sich für die Malerei ergeben. Fast alle Heroen des Pinsels haben auch den Grabstichel und die Radiernadel geführt und so finden wir bereits in der ersten Epoche der Kupferstecherkunst des 15. Jahrhunderts Beweise für einen künstlerisch ganz hochentwickelten Stil. Zwar verraten die Gestalten des »Meisters der Spielkarten«, der schon in der erten Hälfte