Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 158)
- Language
- German
- Belongs to
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155 die Trostlosigkeit des verlorenen Glückes, den von Gott verfluchten Boden. — Wir sehen den Menschen sich mit seinem Geschicke abfinden, bis die Sündflut wiederum einen Abschnitt in der Geschichte bildet. Noah treibt über den Wassern in seiner Arche mit den wenigen Lebewesen, die dem Tode entrannen und bald schwebt zu ihm die Taube herein mit dem ersten grünen Blatt vom Ölbaume. Auch von unseren Stammvätern erzählt uns der Spiegel: bekannte Stimmungen aus ihren Kämpfen und Leiden werden bildhaft dem Beschauer vorgeführt und sinnreich ausgedeutet. Nur wenige will ich noch nennen. Der Mundschenk Pharaos liegt unter der vollen Traubendolde, die ihm in seine emporgehaltene Schale den süssen Saft spendet, Arons Stab blüht und treibt herrliche Mandeln, während alle die anderen Stäbe, die neben ihm kerzengerade in den Boden gesteckt wurden, steif und unverändert dastehen. David tötet den Riesen Goliath und erhebt triumphierend sein Schwert und den abgeschlagenen Kopf gen Himmel. Das psychologische Moment tritt im Vergleich zu der Deutung, die der Meister des »über regum« diesem Motiv gab, vollkommen in den Hintergrund. Auch bei der Befreiung des Propheten Jonas aus dem Bauche des Delphins, den er in weitem Bogen durch die Luft eben verlässt, handelt es sich mehr um eine humoristische Skizze als um eine tiefempfundene Interpretation des Bibelwortes. Anders ist es hingegen auf der letzten Tafel des Buches, wo beim König Esther für die Rettung ihres Volkes vor Hamans ruchlosen Plänen bittet. Hier steigern sich der psychologische Ausdruck und die Geste zu beredter Sprache und wir werden in den Bann dieser in ihrer Hilflosigkeit unsäglich rührenden und schönen Frau gezogen. Unter den Holzschnitten, die in unsere Periode fallen, möchte ich der Vollständigkeit halber noch den »Belial« erwähnen, den Bellaert im Jahre 1484 unter dem Titel »Der Sonderen Troost« herausgab, Bilderblöcke, die gewöhnlich aus drei Teilen bestehen, in deren mittlerem