Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1919-01-01 · 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919) · p. Seite 149

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
Issue
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 149 (sequence 152)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3135693-3135698--0982-3136707
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

149 den Edelleute und die Menge des Volkes zur Geschlossenheit des Bildes bei. —■ Meisterhaft behandelt ist das Motiv, dem der Titel »David verscheucht die Schwermut Sauls durch sein Saitenspiel« zugrunde liegt. Nicht ohne Humor ist Sauls Schwermut zum Ausdruck gebracht: der König sitzt auf seinem Thron, das Szepter geschultert, die Rechte ruht mit krampfhaft gespreizten Fingern auf dem linken Knie: der Gesichtsausdruck ist verkümmert, resigniert und will doch die königliche Strenge bewahren. Die sorglose, liebenswürdige Haltung des kleinen David nimmt dem Bilde das übermässig Harte der Linie und gibt ihm eine freundlichere Note. Das Verhältnis Sauls und Davids in ihrer seelischen Ausstrahlung erläutert in anderem Sinne Tafel 7, Bild 14 «Einzug Sauls und Davids«. — Die erste Heldentat Davids gibt Tafel 6 wieder: »David erschlägt den Goliath«. Der Gesichtsausdruck des Siegers, der mit der Rechten das abgeschlagene Haupt des Feindes in die Höhe hebt und seinen Fuss auf die Brust des Toten setzt, ist meisterhaft dargestellt; mehr noch haben wir aber die Gestalten der Krieger, die im Hindergrund Zuschauer des ungleichen Kampfes waren und die sich jetzt mit allen Zeichen der Freude, Erleichterung und des Dankes dem jungen Kämpfer nähern, bewiesen, dass hier ein Künstler zu uns spricht, der mit feinstem Verständnis den Regungen der menschlichen Seele Ausdruck zu geben im Stande war. Das der Verfasser des »Buches der Könige« psychologische, Studien liebte, dafür spricht auch Bild 17: »David auf der Flucht vor Saul spielt den Narren«. Der Humor,mit dem er David als verkleideten, verkrüppelten Landstreicher mit ganz unkenntlich gemachtem Gesicht vor dem König Achis erscheinen lässt, ist so überzeugend, dass wir nicht einmal mehr ein Augenmerk für den König selbst und sein Gefolge übrig haben. »David und Jonathan« begegnen wir auf Bild 16. Die beiden Freunde sind im Gespräch; durch ein Fenster in der Rückwand gleitet der Blick hinaus in die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.