Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 143)
- Language
- German
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140 ging verloren und der Staat wurde zu einem reinen Machtinstitut. Den Zeitgenossen dieser traurigen Epoche des jüdischen Staates rufen die beiden grossen Propheten Jesajah und Jeremias Folgendes zu: »Wehe denen, die reihen Haus an Haus, Feld an Feld fügen, bis kein Raum mehr ist und ihr euch allein wohnend machet im Lande«1) oder »Wehe dem, der sein Haus baut mit Ungerechtigkeit und seine Söller mit Unrecht, seinen Nächsten dienen lässt umsonst, und seinen Lohn ihm nicht gibt«2). Das politische Ideal der Propheten war auch nur die Gerechtigkeit und die Sittlichkeit. Alle ihre Ermahnungen sind nur auf die Rückkehr zur Gerechtigkeit und Tugend gerichtet. So mahnt Jeremias: »Also spricht der Ewige: Übet Recht und Gerechtigkeit, und rettet den Beraubten von der Hand des Unterdrückers, und Fremdling, Waise oder Witwe bedränget nicht, tuet keine Gewalt und unschuldig Blut vergiesset nicht an diesem Orte«3). Und in seiner gewaltigen Zukunftsvision verkündet der Prophetenfürst Jesajah: »Die Gerechtigkeit ist seiner Hüften Gurt und Treue seiner Lenden Gurt«4). Das Höchste, was Jesaja der ganzen Menschheit verkünden kann, ist: »Und die ganze Erde werde voll Erkenntnis des Ewigen«. Die wahre Erkenntnis schliesst aber auch Liebe und Gerechtigkeit ein, wie’s Spinoza in seiner Ethica gründlich nachweist. An diese jesajanische Vision knüpft auch Maimonides an5), indem er ausführt: by ns s*? mron m»’ nwsim casnn nwu s**? nosm mtro pjs 'v ns 'ji n^$?n Nach Maimonides erstrebt der jüdisch-messianische Gedanke keine Universalherrschaft der Juden wies die Antisemisten behaupten; der jüdische Staat, den wir wünschen und erhoffen, soll kein moderner Fabrikstaat, kein dem Mammon ergebenes!) Jes. 5, 8. 4) Jesajah 11, 5. 2) Jer. 22, 13. 5) H. Melochim. 3) ibid. 3.