Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 140)
- Language
- German
- Belongs to
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137 läge menschlicher Handlungen, nicht aber versteinerter Passivität sein kann. Nicht aber das Leben schlechthin bejaht die jüdische Religion, sondern nur das ethische Leben. Für den Menschen erhält das irdische Leben nur erst dann einen Wert, wenn er seinen ethischen Sinn erfasst hat. Die wahre Glückseligkeit beginnt erst dann, wenn eine Harmonie zwischen Ethik und Leben hergestellt ist. Die Ethik als unerlässliche Bedingung für ein wahres, glückseliges Leben hat folgende Stelle im Pentateuch aufgefasst: »So wahret meine Satzungen und meine Rechte, durch welche der Mensch, wenn er sie ausübt (glücklich), lebet, ich bin der Ewige1).« Wenn der grösste Idealist unter den deutschen Philosophen, der gewaltige Geisteskoloss Imanuel Kant, den Satz aufstellte, dass »wenn die Gerechtigkeit untergeht, so hat es keinen Wert mehr, dass Menschen auf Erden lebten« so erreicht sein Idealismus noch nicht den unserer Religion, welche behauptet, dass ohne Ethik das menschliche Leben gar keinen Sinn hat. Der Begriff Ethik involviert aber den der Gerechtigkeit und geht über ihn noch weit hinaus. Die Gerechtigkeit ist die Ethik im Verhalten der Menschen untereinander. Die Ethik im engern Sinn ist auf den Menschen selbst bezogen. Diese jüdische Weltanschauung ist wieder nur die logische Konsequenz des strengen jüdischen Monotheismus. Als Ausfluss dieses bis in die letzten Konsequenzen hinein erfassten Monotheismus ist das Resultat der Einheit des Menschen, der Einheit von Geist und Körper. Der Geist soll nicht immer himmelan fliegen wollen, was der Beschaffenheit des menschlichen Körpers widerspricht, und der Körper seinerseits soll sich nicht von den Instinkten in das Tierreich hinabziehen lassen. Der Geist hat die Aufgabe, dem Körper Gesetze vorzuschreiben, des Körpers Natur mit der Sittlichkeit zu identifizieren. Der-Geist negiert i) in. B. M. 18, 5.