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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1919-01-01 · 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919) · p. Seite 136

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
Issue
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 136 (sequence 139)
Language
German
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136 .i i: f; :i'ir? 5;; 'f: v.1t; V:!l £ .;}■ < 'i ■i ‘ kA Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein«1). Wer aber ein solches Verhältnis zur Familie einnimmt, kann den Staat unmöglich bejahen. Bildet doch die Familie den Grundpfeil des Staates. Daraus aber folgern zu wollen, wie’s viele Schriftsteller tun, dass Christus ein Anarchist war, wäre jedoch falsch, stammt doch das geflügelte Wort: »Gebet Cäsar, was Cäsar ist« von Christi selbst her. Die ablehnende Stellung dem Staate gegenüber ist nur die richtige Folgerung aus dem negativen Verhältnis Christi zum irdischen Leben. Der christlichen diametral ganz entgegengesetzt ist die jüdische Lebensauffassung! Nicht bloss das Leben im Geiste bejaht das Judentum, sondern auch das in der Materie. Jedes Blatt unserer heiligen Schrift ist lebensgrün; jedes Wort darin drückt Bewegung und Handlung aus. Für die Gesetzesbefolgung wird nicht bloss ein Anteil am Jenseits versprochen, und für die Nichtbefolgung nicht ein Verlust angedroht. Langes und gutes irdisches Leben für die Einhaltung der Gebote und körperliche Übel für ihre Vernachlässigung verspricht und droht die Bibel an. Den Gipfelpunkt aller Verheissungen bildet ein von Milch und Honig fliessendes Land. Am deutlichsten tritt uns die Lebensbejahung der Heiligen Schrift in folgender Stelle entgegen: »Siehe, ich legte dir heute vor das Leben und das Gute und den Tod und das Böse2).« Die Gegenüberstellung des Lebens und des Guten dem Tode und Bösen zeugt am klarsten für die jüdische Lebensanschauung. Das bejahende Verhältnis zum irdischen Leben ist übrigens nur eine logische Konsequenz der jüdischen Ethik und Moral. Denn löst man einmal das Band zum irdischen Leben, so wird dann jede Sittlichkeit und Ethik überflüssig. Verzückte, in starre Askese versunkene, in passiver Schlaffheit verharrende Menschen bedürfen keiner Ethik, weil diese nur die Grund- ■% ■Ä ■) Lukas 14*. 2) V. B. M. 30, 15.

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