Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 122)
- Language
- German
- Belongs to
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120 der Vater und die Mutter. Ob sie ihren Kindern damit wirklich etwas Gutes tun? Von einem missratenen Sohne des Königs David heisst es: Sein Vater hatte ihn nie be־ trübt und nie zu ihm gesprochen: Warum tust du so? Der König David hat mit seinen Erziehungsgrundsätzen kein Glück gehabt, und an diesem Sohne wenig Freude erlebt. Im Gegensatz hierzu lehrt die Heilige Schrift: ״Wer die Rute zurückhält, hasst sein Kind“. ״Gut ist es für den Mann, wenn er ein Joch trägt in seiner Jugend“. ״Mehr Schatten wie Licht“ mahnt uns die Sucko. Nicht jeder Wunsch, kaum ausgesprochen, werde den Kindern gewährt. Sonst treten sie verweichlicht und verwöhnt ein in das Leben, das den Menschen manchesmal hart anpackt und in welchem diejenigen am besten bestehen, die von vernünftigen Erziehern von Jugend auf gelehrt worden sind, auf so manches zu verzichten, manches Begehren als unerfüllbar aufzugeben und trotzdem froh und zufrieden zu sein. Welch vortreffliches Mittel zur Erziehung bietet die Gewöhnung an die Erfüllung der Vorschriften unserer heiligen Religion. Kinder, die gewöhnt sind, des Morgens zu beten, bevor sie ihren Hunger stillen, des Abends ״das Nachtleienen“ nicht zu vergessen, ehe sie müde ihre Ruhestätte aufsuchen, die es gelernt haben, auf so manche lockende Speise zu verzichten, weil Gott sie uns verboten hat, die nach Fleischspeisen mehrere Stunden warten, bevor sie Milch geniessen, werden später im Leben nicht leicht nach Unerlaubtem die Hand ausstrecken, denn es ist ihnen zur zweiten Natur geworden, sich zu beherrschen und zu bezwingen und ihre Begierden dem Diktate der Pflicht unterzuordnen. Von einer berühmten Königin des Altertums, die sich das Leben genommen hat, wird erzählt, dass sie, um ihre Wächter zu täuschen, sich unter Blumen eine giftige Natter bringen liess. Unter Blumen und Rosen die Giftnatter,