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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1919-01-01 · 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919) · p. Seite 108

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
Issue
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 108 (sequence 110)
Language
German
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IRI
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108 lesen und in der betreffenden Sprache so genau sein soll, wie in der heiligen Sprache. Dies stimmt damit überein, dass Maimonides,1) Aristoteles folgend, sagt, dass die Sprachen nur konventionell und nicht natürlich sind, und hebräische Sprache nach ihm deshalb heilige Sprache genannt wird, weil sie keine Bezeichnungen für die Zeugungsorgane und* ähnliches kennt, weshalb ihn die Kabbalisten angreifen, indem sie bemerken, dass sie deshalb nur reine Sprache, loschon nekija heissen sollte, dass aber loschon Hakodesch bedeutet, dass sie die Sprache der Heiligkeit selbst ist.2) Nach den Worten des Philosophen, der die Bedeutung der Akustik am tiefsten ergründet hat: die beste Übersetzung verhält sich zum Original wie die Transposition eines musikalischen Stückes in einer anderen Tonart.3 4) Denn der Gedanke ist akustisch, das Gehör ist der Sinn der Vernunft, es denkt und vernimmt.1) Daher wird ein Taubstummer in jeder Beziehung dem Narren gleichgestellt, weil der Gedanke unlösbar mit der Sprache verknüpft ist.5 6) Alle Beweise gegen die unlösliche Verbindung von Sprache und Gedanken, die bei Steinthal zusammengestellt sind,3) sind zumeist nicht stichhaltig.7) Die Sprache ist aus dem Gedanken emaniert. bräischen Eigennamen Gottes selbst können wir doch nicht einmal übersetzen, man übersetzt es mit ” Ewiger’, oder ” Allmächtiger ”, es gibt aber kein Wort, welches ”Er war Er ist Er wird sein” ausdrücken kann, was die eigentliche Bedeutung des hebräischen Gottesnamens ist. Aruch Haschulchan, H. Kriat Schema. 0 More Nebuchim, II. Teil, cap. 30 Aristoteles, de interpretatione cap. 2 und 4. 2) Rabed, Komm, zum Buche jezira cap. 1 Mischna 10 und Nachmanides, Komm, zur Thora, Abschn. Ki Sisso. 3) Schopenhauer, Wort und Sprache. 4) Schopenhauer, Welt als Wille und Vorstellung, Ergänzungen zu Bd. I. 5) Chagiga, Anfang. 6) Abriss der Sprachwissenschaft Bd. I, S. 44 ff. 7) So der Beweis von der Möglichkeit der Uebersetzungen, sowie der Möglichkeit der Unterweisung in Taubstummen-Schulen, — auf letztem stützt sich auch Letze, Logik S. 19, vgl. aber Schopenhauer a. a. A.

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