Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 107)
- Language
- German
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105 Sterblichen sind die Unsterblichen“, wie es in einem seiner Sprüche heisst,1) welche einen grossen Einfluss auf die Alexandriner ausgeübt haben, welche bekanntlich behauptet haben, dass die Weisheit des Heraklit aus der jüdischen Weisheit hervorgeht.2) Aus der Logos-Lehre leitet sich, nach Lassale,3) der heraklistische, aus dem platonischen Dialog Kratylos,4) bekannte Grundsatz von der natürlichen Sprache ab, der neu erweitert worden ist in der Lehre von der Identität des Gedankens und der Sprache durch Humboldt, der diese Identitätslehre, wie Steinthal sagt, in die Mitte jenes Problems stellt, wie der einfache Geist sich in mannigfacher Tätigkeit offenbart, und wie überhaupt Geistiges erscheint,5) was der ihm folgende Bäcker in seinem klassischen Werke ,,Organismus der Sprache“ sprachwissenschaftlich ausgebaut hat.6) Diese Lehre ist im Prinzip allen jüdischen Gelehrten bekannt und besonders von den Vertretern der jüdisch-esoterischen Wissenschaft entwickelt.7) — Der Humboldt-Bäckersche Satz: der Mensch ist nur Mensch durch Sprache, ist jedem Bibel- 1) Bernays, Heraklitische Briefe S. 37, 77. Diels, Heraklit Fragmente B Fr. 20, Fr. 15. 2) Nach der Ansicht Bernays stammen die heraklitischen Briefe, insbesondere Brief 4 und 7 aus einer jüdischen Feder und nach Pfleiderer sollen sie vom Verfasser der ,,Weisheit Salomos” herrühren, wo sich auch viele heraklitische Motive finden. 3) Lassale, F. Die Philosophie des Heraklit des Dunklen II. S. 362* 4) Nach Schleiermacher (Vorrede zu Kratylos) und seiner Schule ist bekanntlich dieser Dialog nur ein Spott und eine Ironie auf diesen heraklitischen Grundsatz, vgl. Steinthal H. Geschichte der Sprachwissenschaft S. 39 f. und 76 ff. 5) Die sprachphilosophischen Werke W. v. Humboldts, herausg. u. erkl. von Steinthal S. 14. 6) Ihnen schliesst sich auch Max Müller an in seinem Werke Wissenschaft der Sprache I. cap. 14, welche die verschiedenen Ansichten über den Ursprung der Sprachen, die onomatopoetische wie die interjektionelle widerlegt und sagt: Die Sprache heisst Logos, Logos heisst aber auch Vernunft, Denken ist leises Sprechen, Sprechen ist lautes Denken, das Wort ist der fleischgewordene Gedanke. 7) Man vergleiche in Bezug auf die Namengebung alte und neue Kommentare zu Genesis cap. 2.