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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1919-01-01 · 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919) · p. Seite 104

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
Issue
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 104 (sequence 106)
Language
German
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104 Leben passiv und nicht seiner Lehre entsprechend war. Auch das Hören bei diesem Philosophen ist nach dessen eigenen Worten passiv.1) Anders aber beim jüdischen Hören, welches aktiv ist. Die Bewegung ist das Prinzip der Weisheit, welche durch eine Erschütterung der Seele in ihrem Innersten erkannt wird. Daher ist sie praktisch-ethisch, und wer sie findet, findet zugleich Leben; analog dem tätigen Logos des Heraklit, dessen Sinnsprüche, den Sprüchen in Kohelet, in ihrem Inhalt und in der Struktur gleichen.2) Die jüdische Wissenschaft, in Kohelet, geht aus von der Bewegung im Fluss der Ströme, die immer wieder ins Meer wandern. Inden? so im Flusse der Bewegung, im Hauche, Hebel das stehende Prinzip, das Überdauernde, Ji thron, gesucht wird, ergibt sich der Pessimismus, bis man im Hauche, Hebel, das Wort als Logos, in welchem man das Leben der reinen, für immer bestehenden Gottesfurcht findet, endlich hört.3) ״Das Mysterium des Hebel ist bedeutungsvoll, das ist der aus dem Munde kommende Hauch, und das Geheimnis des Hauches, der aus dem Munde kommt, besteht darin, dass eine Stimme daraus hervorgeht, und alles was in der Welt geschieht, geschieht im Hebel.4) Ähnlich ergibt sich aus der Bewegungslehre des ,,weinenden Philosophen“ dessen Pessimismus, der sich auflöst in der Freude des berauschenden Weines, indem er in der Bewegung zu Erkenntnis der Einheit von Tod und Leben gelangt. ,,Die Unsterblichen sind die Sterblichen, die 1) Daselbst. 2) vgl. ausführlich bei Pfleiderer, Die Philosophie des Heraklit. Anhang: Heraklitische Spuren in Kohelet. S. 206 ff. und S. 3. 3) In diesem Sinn hat Abraham ibn Esra, der rastlose Wanderer — hat er doch auch nach arabischem Vorbild den wandernden Greis Chai ben Mekez geschildert — der nie und nirgends Ruhe finden konnte, in seinem Kommentar zu Kohelet, die kosmische wie die seelische Bewegung erfasst, vgl. dessen Kommentar zu Kohelet, Vorrede und Kap. 1, 2 und 3. 4) Sohar, II. Teil Parscha Bo und I. Teil Parscha Wa־jeze.

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