Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 105)
- Language
- German
- Belongs to
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103 heert sehr tief,“ d. h. er hat einen feinen Gehörsinn, in dem das Wesen des Intellekts affiziert wird und in Extase gerät, in jüdisch-deutsch heisst dies: derheert, d. h. die Neschama, der Geistesodem gerät in Verzückung, nicht der Körper. Neschama überhaupt bedeutet: ״derheerenisc h“.1) Diese logische Akustik ist mit einer reinen und geläuterten pessimistischen Ethik verbunden. Im völligen Aufgeben des sichtbaren Seins durch Schmerzen der Liebe, die die Bitterkeit des Lebens in höchste Wonne verwandelt. Denn man kann nicht zum wahren Verständnis der Geheimnisse der Lehre und zum Begreifen der wahren Tiefe des Lichtes des Unendlichen gelangen, ohne dass man von der natürlichen und ursprünglichen Melancholie in ihrem Urwesen, ihrer tiefen Wahrhaftigkeit, der natürlichen Zerbrochenheit, ergriffen ist, sodass das Leben ständig verabscheut wird. Und dann erfüllt ihn die Quelle alles Lebens, welches den Geist der Gebeugten belebt, und sein Kummer, seine natürliche Melancholie werden sich in Freude und Wonne verwandeln, die rein nur aus der Göttlichkeit, die tatsächlich auf seiner Seele ruht, kommt.2) Auch der neue pessimistische Philosoph, dessen literarische Struktur der aphoristischen gleicht, hat die metaphysische Bedeutung des Hörens tief ergründet, indem er, dies mag auch zum Teil psychologisch bei der Grundläge seines Systems mitgewirkt haben, im Seelenzustand der Resignation das in der sichtbaren Vorstellung nicht Gegebene, das Unbewusste hört.3) Nur ist seine Lehre durch die passive Ethik, die in ihrem Wesen eine Umgestaltung der Passionslehre ist, getrübt, ebenso wie sein 1) a. a. O. fol. 37 und 44, vgl. Ez Chajim Pforte 4, die Neschoma bedeutet das Mysterium des Ohres, die Vernunft. 2) Kuntras Hahithpaaluth, fol. 59 No.. Der Verfasser führt dies im Namen seines Vaters, des Raw von Ladi, der seinerseits die im Text angeführte Stelle buchstäblich von seinem Lehrer dem Maggid gehört hat. 3) Schopenhauer, Welt als Wille und Vorstellung, Ergänzungen zum I. Bd. Kap. 3.