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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1919-01-01 · 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919) · p. Seite 100

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
Issue
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 100 (sequence 102)
Language
German
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100 Die Eigenart der gesetzesmässigen und sinnspruchartigen Struktur wird bestimmt im Wesen der jüdischen Weisheit. Ihr Hauptgegenstand, nach dem sie benannt ist, ist die Chochma-Sophia, die Urweisheit. Die Weisheit ist praktisch-ethisch eine Potenz, die bei der Welt- Schöpfung mitwirkt, und wer sie findet, findet Leben, indem er ihre gesetzesmässigen und sinnspruchmässigen Aussprüche hört, wie dies, worauf Aristobulus bereits hin weist,1) im ersten Teil der Sprüche Salomos ausgeführt wird, von welcher, nebenbei bemerkt, auch das Haupt der neuen Erfahrungsphilosophie in seinem Hauptbringen. Wenn du Gelübde gelobt hast, säume nicht, sie zu erfüllen;■ was auch vielen Stellen in den Sprüchen entspricht. Von den vielen Parallelen, die noch aus den Akusmen anzuführen wären, sei nur auf folgende hingewiesen: V,Elg k11ev Ijibdrßiv xbv öe^iöv 7166a Ti&Qeye, elg öe 710öbvi7zzQ0v zov evojvvfiov, entspricht einer Boraitha in Sabbath 61 a: Beim Anziehen der Schuhe ziehe man den rechten Schuh zuerst an und nachher den linken, beim Ausziehen zuerst den Linken und nachher den Rechten. (Im kleinen Tr. Derech Erez wird diese Bestimmung ausdrücklich eingeleitet ,,wenn man ins Bad geht“ wie die Bedeutung von tzoöövitixqcüv. 42), xov dQxov [tt] xazciyvvvcu, der nach Göttling ein Symbol ist, dessen Sinn ist: Bringet keinen Streit in die häusliche Gesellschaft; da ein ganzes Brot ein Zeichen für den häuslichen Frieden ist, scheint ein wörtlich zu nehmendes Akusma zu sein, welches seine Erklärung in einer Mischna Erubin 81 findet, wo es heisst: Man macht keinen Eruw,. d. 11. man gesellschaftet sich nicht mit einem gebrochenem Brot, weil es zu Feindschaft führen könnte; da man — in Anlehnung an Jeruschalmi Erubin III, 2 und Korban Eda z. St. sowie auf Marscha am Schlüsse von Tr. Eruwin — die Hypothese aufstellen kann, dass die Eruw-Institution ursprünglich zu religiös-communistischen Zwecken in geschlossenem religiösem Bunde der Prophetenjünger und der ersten Chassidim, denen die Lebensweise des Pythagoräerbundes in gewisser Beziehung ähnelt, angeordnet worden ist, was an einem andern Orte näher ausgeführt werden soll. ן) Angeführt bei Eusebius, praep. ev. VII 14 Die Peripatetiker sagen, dass wer der Weisheit folgt, für immer glücklich ist; deutlicher und schöner aber sagt uns einer unserer Vorahnen (Salomo): sie ist vor Himmel und Erde da. Gemeint ist wahrscheinlich Spr. Sal. 3, 19—20 und 8, 22—32. Vergl. auch den Ibn Esra zugeschriebenen Kommentar zu Spr. Sal. Anfangs, wo es heisst: In diesem Teile wird verkündet die hohe Würde der Urweisheit, durch welche das Sein aus dem Nichts geschaffen wurde und ermahnt, an ihr zu hangen, um durch sie den geistigen Odem zu beleben.

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