Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 98)
- Language
- German
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96 lehren in kurzen Sprüchen, wie z. B. die bekannten Sprüche der sieben griechischen Weisen. Auch die ersten Philosophen haben nach dieser Methode gelehrt, wie dies hervorgehoben wird von dem ersten Vertreter in der neuen Epoche der jüdischen Philosophie, Don Jehuda Abrabanel, in seinen philosophischen Deutungen der griechischen Mythologie,1) sowie von dessen Freund, dem Grafen Pico de Mirandola, in seinem ״siebenfachen“ Kommentar zur Bibel Heptaplus, in welchem er den primitiven Styl Moses*, indem er ihn gegen erhobene Angriffe verteidigt, begründet.2) Der jüdischen Wissenschaft aber ist diese aphoristische Methode in allen ihren Epochen eigen geblieben, auch der jüdischen Religionsphilosophie, der alten und der neuen, den Alexandrinern wie den Sefardim, den Kabbalisten wie den modernen grossen mystischen Denkern.3) Die allegorische Methode der Alexandriner ist nicht, wie manche meinen, dadurch, dass der historische Inhalt der Thora ihnen fremd geworden, entstanden, denn, wie der Begründer der neuen jüdischen Philosophie, R. Joseph Salomo del Medigo sagt, ist diese alexandrinische Methode der Gesamtheit der Weisen Israels eigen;4) dies ist die Methode der Midraschim, die in der vierfachen Auslegungsweise, Derech P. R. D. S., Peschat, Remes, Drusch, Sod, P a r d e s genannt, im Sohar besonders bekannt und נ) Jehuda Abrabanel, Wikuach al ha ahawo, fol. 21—22. 2) Heptaplus, Praefatio ad. L. Medicem, siehe auch Schlegel, Fr. W., Geschichte der alten und neuen Literatur Werke Bd. 1, S. 21 ff. 3) Rosch Millin von Rabbi A. J. Kuk, jetzt Raw hakollel in Jerusalem. 4) Del Medigo, Mazref lachochma, ed. Warschau, Kap. 9: R. Jedidja der Alexandriner in seinem griechischen Werke de confus linguarum schreibt, dass die göttlichen Worte die Körper und ihr tief verborgener Inhalt die Seelen sind; es ist aber überflüssig, anzuführen, da doch, wer mit unserer innerlichen Literatur vertraut ist, als wahr erkennen wird, dass es fast keinen Abschnitt ohne Andeutung eines tieferen verborgenen Sinnes gibt, sodass es ihm klar wird, dass dies nicht nur die Methode der Kabbalisten allein ist, sondern dass sie der Gesamtheit der Weisen Israels eigen ist.