Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 92)
- Language
- German
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90 sichten und Lehren, die im Laufe der Zeiten und der Schicksalswendungen, die über uns kamen, inmitten unseres Volkes aufgestiegen sind infolge des Zusammentreffens und der, allerdings sehr beschränkten Annäherung mit den andern, die bei uns mehr als bei einem andern Volke vor sich ging, sowie zu erkennen, wie von Geschlecht zu Geschlecht auf uns eingewirkt wurde und wie wir auf die andern eingewirkt haben, so die Griechen zur Zeit der Neuplatoniker, so Baruch und seine Nachfolger.1) Die sefardische Religionsphilosophie insbesondere hat die allgemeine mittelalterliche Philosophie stark beeinflusst, wie dies S. Munk2) und M. Joel3) nachgewiesen haben, wie auch die Kabbala auf die Anfänge der neuen Philosophie in der Renaissance-Periode stark eingewirkt hat.4) Diese Wechselwirkung macht den hohen Wert der jüdischen Philosophie für die Weltliteratur aus, welche die Herzen der Völker in der Erkenntnis eines höchsten Begriffes einander näher bringen soll. Die Wissenschaft ist in ihrem Gegenstände universell, national aber in ihrer Form und Struktur. Die Form erscheint im Lichte der ihr eigentümlichen Farben, wird unmittelbar in Raum und Zeit geschaut. Sie offenbart sich dem Volke in ihrer ganzen Pracht, begleitet von ihren Engeln Eros und Genius, in der Atmosphäre eines bestimmten Landes und in einer bestimmten Epoche. In der Fremde ist die Form getrübt, es sei denn in Stunden!) Krochmal, More Nebuche Hasman, Pforte 12 (Rätsel aus Vergangenheit des Orients) vgl. auch Pforte 16 (Definitionen und Praepositionen zur Wissenschaft des Glaubens. 2) Salomon Munk, Melanges de la Philosophie juive et arabe. 3) M. Joel, Verhältnis Alberts des Grossen zur Maimonides und Beiträge zur Geschichte der Philosophie, vgl. Kaufmann, D., Der Führer Maimunis in der Weltliteratur. (Gesam. Schriften II.) 4) Julius Spie gl er, Geschichte der Philosophie des Judentums S. 38 und 105 ff. Ueberweg-Heinze, Geschichte der Philosophie Bd. III, §6, sowie Bd. II, § 29; vergl. auch Kuno Fischer, Francis Baco S. 18 und Chr. Sigwart, Kleine Schriften Bd. I, S. 2 ff.