Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 80)
- Language
- German
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78 Menschen gegründet wissen will, sondern in der die Geburt begleitenden N a t i v i t ä t. Die Nativität ist der Urquell aler Neigungen. Sie gibt dem Menschen Willens- und Geistesrichtung. Sie leiht ihm Sympathie und Antipathie. In ihr wurzelt die Mentalität, die Kongenialität, die Geistes- Verwandtschaft, und sie allein begründet die eigentliche und wahre Zugehörigkeit zu einer Nation. Hat jemand seine Sympathie zu irgend einer Nation entdeckt, so hat er damit seine eigentliche Geburt entdeckt. נר שנתגייר ״ כקטן שנולד דמיDer Proselyt gleicht einem neugeborenen Kinde“, so drücken dies unsere Weisen aus. Nicht die leibliche Geburt begründet also die Zugehörigkeit zu einer Nation, sondern die seelische, die geistige, jene die auf Sympathie, auf Geistesverwandtschaft beruht. Das Rassenkriterium, das auf geschlechtliche Verwandtschaft abgestellt ist, und in zahlreichen Fällen mit der Geistesverwandtschaft kollidiert, erweist sich also als unzulänglich. Es mag für die Einteilung der Lebewesen in Ordnungen, Arten, Klassen und Familien ausreichen; als ein Werkzeug nationaler Bestimmung ist es unbrauchbar. Der Begriff der Nationalität kommt dem Menschen allein zu, und das Merkmal, wonach wir ihn hiernach werten, ihn in eine bestimmte Nation einordnen, darf nicht auf der Oberfläche seiner Animalität haften; es muss den Menschen als Menschen ergreifen, seine Seele, seinen Geist, seinen Willen, dasjenige in ihm, woran die Geistesverwandtschaft sich betätigt und das sind die Sitten und Gebräuche. In der Liebe zu den Sitten eines Volkes zeigt sich die Geistesverwandtschaft zu diesem Volke, und damit die Zugehörigkeit zu demselben, und in der Betätigung seiner Gebräuche nimmt sie greifbare Gestalt an, wird sie objektiviert, realisiert. Wer also Gefallen an den Sitten und Gebräuchen eines Volkes findet, und ein innerer Drang ihn zur Betätigung derselben treibt, der gehört zu diesem Volk. Wer