Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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53 | König, weil er alles sub specie aeternitatis tat, ein be- J ständiger Gottesdienst waren. Dieses ist das erste, was 1 ich auch von meinem Lehrer bezeugen möchte. Nie sah | ich einen Menschen wie ihn, dessen Tun und Lassen so | völlig von dem Gedanken an Gott beherrscht war, und j von dem man ohne Übertreibung sagen konnte: Was er? auch unternahm, er tat es לשם שמים um Gott zu dienen, j Seine Tätigkeit war eine rein ideale. Für das, was er J leistete, nahm er keine Bezahlung an. Schon in Eisenstadt, I so wurde mir von einem seiner ältesten Schüler erzählt, I liess er an jedem Freitag das Gehalt, welches er als ■| Rabbiner empfing, und das dort wöchentlich entrichtet j wurde, an die Armen verteilen. In Berlin nahm er weder I als Rabbiner, noch als Schulleiter, noch als Rektor des | Rabbiner-Seminars irgend eine Belohnung an; im Gegenj teil, er, der für sich selbst vollkommen bedürfnislos war, 1 gab reiche Spenden für alle jüdischen Institutionen. Um j so höher ist es anzuerkennen, dass er, der vollkommen j frei und unabhängig war, mit einem Eifer, einer Treue j und einer Hingebung sein ganzes Leben hindurch ge- I arbeitet und geschafft hat, die demjenigen, der es nicht j selbst staunend mit angesehen hat, fast unglaublich erj scheinen muss. Sein ganzes Leben war nichts wie treue Pflichterfüllung. Mit allem, was er tat, stand er bewusst j im Dienste Gottes, und wie von Rabbi Jehudo Hannosi j konnte man auch von ihm sagen: Er hat gearbeitet mit! allen seinen zehn Fingern; aber nach Genuss und Ver- 1 gnügen nicht einmal für seinen kleinen Finger Verlangen gehabt. Niemals zeigte sich der Rabbi krank oder erholungsbedürftig, niemals hatte er ausser an Purim und an den Feiertagen Zeit für Zerstreuungen und Vergnügen. Niemals hat er einen Kurplatz aufgesucht. Einmal weilte seine Gattin in Karlsbad und bat ihn dringend, ebenfalls dorthin zu kommen, und um ihn zur Reise anzuspornen, schrieb sie ihm, er werde dort Gelegenheit haben, bei den