Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 46)
- Language
- German
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45 1 sondern sie auch in die verschiedensten Gebiete andern 1 Wissens einzuführen und sie in Geschichte, Literatur, Mathematik, Lateinisch und Griechisch zu unterrichten. Gegen ׳ den Rabbi kämpften die Chassidim, welche die moderne Bildung als eine Gefahr für das Judentum betrachteten; gegen ihn stritten die Neologen, die, nicht mit Unrecht, in ihm den Mann erblickten, der vermöge seiner wissenschaftlichen Bedeutung die Fähigkeit besass, ihren auf | Zerstörung des alten Judentums gerichteten Tendenzen j wirksam entgegenzutreten und להחזיר עטרה ליושנה der 1 alten Thorakrone den verbleichenden Glanz zurückzu־ | geben. Wie viele Enttäuschungen hat damals der Rabbi I erlebt, da er mit seinen neuen Bestrebungen auch im Kreise derer, auf die er zählte, wenig Verständnis fand. All das hat diesen einzigartigen Mann nicht zu beirren und ihn in seiner unermüdlichen Arbeit nicht zu stören vermocht. Mit 4 Schülern fing er seine Rabbinerschule an, auf 160 Schüler konnte er zuletzt mit Stolz blicken. Damals hat der Rabbi die Nächte zu Tagen gemacht! Seine Gattin hat mir erzählt, dass er in der Regel 20 Stunden gearbeitet und nur 4 Stunden der Ruhe gewidmet hat. Er hatte in Ungarn mit Gegnern zu kämpfen, denen jedes Mittel recht war, wenn sie die Hoffnung hatten, ihn zu vernichten. Sie schreckten sogar nicht davor zurück, ihn bei der Regierung zu verdächtigen. Eines Tages kam von der Statthalterei in Ödenburg der gemessene Befehl, binnen 24 Stunden die Rabbiner-Schule zu schliessen und alle Schüler aus Eisenstadt zu entfernen. Aber die Feinde des Rabbi, die ihn einschüchtern wollten, hatten nicht mit seiner Festigkeit und Energie gerechnet. An höchster Stelle widerlegte er eindrucksvoll die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen. Die Rabbiner-Schule wurde wieder eröffnet. An der ersten öffentlichen Prüfung nahmen die höchsten Regierungsbehörden teil und beglückwünschten ihn zu den glänzenden Resultaten, welche