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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1919-01-01 · 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919) · p. Seite 44

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
Issue
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 44 (sequence 45)
Language
German
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44 gewonnen und oft dankbar anerkannt hat, dass er nicht nur sein Wissen, sondern vor allem die Richtung seines Geistes in erster Reihe dem Rabbi verdankte. Im Jahre 1851 wurde der Rabbi als Rabbiner nach Eisenstadt in Ungarn berufen, einer alten und berühmten Gemeinde, in welcher die grössten Koryphäen der jüdischen Wissenschaft gelebt hatten und tätig gewesen waren. Hier wirkte der Rabbi neunzehn Jahre lang unter den schwierigsten Verhältnissen. In Ungarn war die Orthodoxie damals bildungsfeindlich, und noch heute gibt es in den frommen Gemeinden — vereinzelte Ausnahmen bestätigen nur die Regel — keine akademisch gebildeten Rabbiner. Wie mag da vor siebzig Jahren ״der deutsche Doktor“ mit Misstrauen betrachtet worden sein! Aber wie Nebel vor der Sonne, so schwand dieses Misstrauen allmählich, als man die selbstlose, edle Persönlichkeit des Rabbi näher kennen lernte, der auch seine schärfsten Gegner durch den Adel seines Wesens und die Reinheit seiner Bestrebungen zu entwaffnen wusste. Der Rabbi gründete in Eisenstadt zunächst eine Gemeindeschule, in welcher neben der Thora weltliches Wissen gelehrt wurde. Dann machte er sich an das kühne und gewaltige Werk, eine Rabbiner-Schule in Eisenstadt ins Leben zu rufen. Wer die Jugend hat, so sagt das bekannte Sprichwort, hat die Zukunft. Der Rabbi aber erweiterte diesen Satz, indem er sagte: Wer die Lehrer der Jugend und die Lehrer der Gemeinden für die Thora begeistert und sie befähigt, ihr Amt den Forderungen der Zeiten entsprechend zu führen, der rettet damit die Zukunft des Judentums. Während auf den meisten jüdischen Hochschulen Ungarns auch heute noch der Talmud und seine Erklärer den alleinigen Gegenstand des Studiums bilden, hatte der Rabbi die Kühnheit in jener Zeit, in welcher es in weiten Kreisen noch als ein Unrecht galt, ein deutsches Buch zu lesen, die Jünglinge nicht nur die Thora zu lehren,

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