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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1919-01-01 · 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919) · p. Seite 41

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
Issue
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 41 (sequence 42)
Language
German
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41 ihrer Kräfte nahmen. Sie hatten treu den Lehren unserer Gesetze ihr eigenes Leben gelebt. Nun wurden sie mitten in das Getriebe der Welt gestellt, konnten teilnehmen am allgemeinen Wettbewerb auf allen Gebieten menschlichen Strebens und empfanden erst jetzt, wie schwierig die Erfüllung der jüdischen Pflichten war, deren Übung sie früher für selbstverständlich gehalten hatten, und die ihnen ebenso notwendig erschienen waren, wie die Luft zum Atmen. Zuerst verschämt, dann aber immer dreister und lauter, erhob sich der Ruf nach einer „Reform“ des Judentums. Das Judentum müsse, so hiess es, „zeitgemäss“ umgestaltet werden. Alle Gebote, die den Juden im Verkehr mit Nicht-Juden Schranken auferlegten, und deren Erfüllung unbequem war, sollten beseitigt werden. Es fanden sich gefällige Rabbiner, die den Wünschen der Gemeindevorsteher willig entgegen kamen und — als ob es auch bei uns Priester gäbe, die lösen und binden können — erlaubten, was Gott verboten hat, und „das Joch der Pflichten“, unter dem sie bisher geseufzt, von den Juden nahmen. Holdheim, der radikalste Wortführer der Reform, wollte alle diejenigen jüdischen Gebote abschaffen, die ihm als rein national erschienen, während die eigentlichen religiösen Pflichten erhalten bleiben sollten. Da wurden als national auf den Index gesetzt: Sabbath und Festtage, Speise- und Reinheitsgesetze, die Brismilo und das Verbot der Mischehen. Übrig blieben dann freilich nur als eiserner Bestand des Judentums die moralischen Pflichten und der Glaube an einen Gott. In jener Zeit der allgemeinen Verwirrung fehlte es an überragenden Führern, deren Autorität auch ausserhalb des engen Kreises ihrer Gemeinden unbedingte Geltung gehabt hätte. Welches Unheil wäre verhütet worden, wenn Hildesheimer und Hirsch fünfzig Jahre früher auf die Welt gekommen wären! Weil die ersten Juden,

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