Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 34)
- Language
- German
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34 aus dem Schrecken und dem Elend, das dieser Weltkrieg der Welt gebracht hat, auch die glückbringende Saat einer wahren und echten Völkergemeinschaft erstehen wird. Man hat oft fälschlich geglaubt, dass die alten Völker, und unter ihnen auch das jüdische, völkerrechtliche Gesetze überhaupt nicht kannten, weil jedes Volk aus einer gewissen Überschätzung der eigenen Kultur sich gegen das fremde Volk feindlich ablehnend zeigte. Und gerade vom jüdischen Volke hat man unter Hinweis darauf, dass es sich als das „auserwählte“ bezeichne, behauptet, der Begriff des Völkerrechts müsse ihm durchaus fremd sein. Dass diese Meinung irrig ist, ist neuerdings oft gezeigt worden. Mehr noch! Es darf gesagt werden, dass auch heute, im 20. Jahrhundert, die Lehrsätze über das Zusammenleben der Nationen, wie sie in der Bibel niedergelegt sind, uns als Ideal vorschweben dürfen. Diese Aufgabe der Menschheit gegenüber, die das jüdische Volk als seine höchste und wichtigste erkennen muss, setzt jedoch nicht eine Verschmelzung mit den Völkern der Erde voraus und hat sie nicht zum Ziel. Im Gegenteil! Diese Aufgabe ist eine nationale und kann von der jüdischen Gesamtheit nur dann erfüllt werden, wenn es in erster Linie sich selbst erhält. Daher muss es gerade dann, wenn wir von jener Mission des Judentums durchdrungen sind, unsere Hauptaufgabe sein, uns auf uns selbst zu besinnen. In einer Zeit der weltgeschichtlichen Ereignisse, da selbst die kleinsten Nationen um ihre Selbständigkeit ringen, muss sich auch unser jüdisches Selbstbewusstsein heben und die Liebe zu unserem Volke und zu unserer alten Heimat aufs neue entfachen. Unser jüdisches Denken muss palästinozentrisch werden. Die in weiten Kreisen des jüdischen Volkes geübte Vernachlässigung der Rationalen Idee, die Verkennung ihrer urwüchsigen, verjüngenden Kraft, müssen wir wieder gut zu machen suchen. Palästina muss schon heute im