Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 251)
- Language
- German
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250 Und von der weichlichen Empfindelei, Die liebend haftet an der Scholle Erde, Sich heimlich sehnet nach der Mutterherde, Fühlt er sein Herz genesen nun und frei. Das was die Liebe für ihr eigen hält, Was Glaube, .Heimat unsichtbar verbunden, Belächelt er; sein eigen ist die Welt*, Den gold’nen Schlüssel hat er ja gefunden! — Einst wandelt er am Hafen auf und nieder, Da tritt ein armer Jude vor ihn hin, Betrachtet lang und forschend Benjamin, Fremd scheint er ihm und doch bekannt auch wieder So englisch ihm der reiche Herr auch deucht, Die Züge sind’s, er ist es doch vielleicht. „Nicht wahr, du kennst mich?“ ruft er endlich aus; „Der Nathan bin ich ja, von dir zu Haus, Grad’ komm’ ich an und will mein Glück probieren, Hat’s dir geglückt, so kann ich’s auch riskieren!“ Und schnell will Benjamin vorübergehn, Er schämt sich ja des längstvergess’nen Tones, Da plötzlich bleibt er vor dem Alten stehn, —- Tief klingt die Saite in der Brust des Sohnes — Und reicht die Hand ihm freundlich hin und spricht: „Bringst du von meiner Mutter mir Bericht?“ Und der: „Was willst du noch Bericht von mir? Sie werden dir doch schon geschrieben haben? Die Frau war alt, der Friede sei mit ihr, Lagb’omer war’s, da hat man sie begraben!“ Und wie ein Blitzstrahl trifft den Sohn dies Wort, Er schleicht sich still in das Getümmel fort, Will niederkämpfen seines Herzens pochen, Allein umsonst, die Kraft ist ihm gebrochen, Und Sehnsucht füllt sein Herz mit Leid und Lust Nach einer mitleidsvollen Bruderbrust.