Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 234)
- Language
- German
- Belongs to
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233 schwarzen Flechten der Rabbinerstochter an den Schweif des wilden Pferdes, das die Knechte nur mit Mühe halten konnten ... „Macht eine Gasse frei!“ ruft der Gerichtsherr der Menge zu. Und die Leute drücken sich an die Mauern, und ein jeder erhebt seine Hand: die einen haben Peitschen, die anderen Stöcke und andere wiederum Tücher in den Händen. Und alle sind bereit, das wilde Pferd zu jagen und zu hetzen. Allen stockt der Atem, alle Augen brennen, und niemand von der Menge merkt, wie die Verurteilte sich niederbückt und sich den Saum ihres Kleides mit den Nadeln an die Beine ansteckt. .. Tief bohrt sie die Nadeln in das Fleisch hinein; sie tut es, damit ihr Leib nicht entblösst werde, während das Pferd sie durch die Gassen schleifen wird . . . Nur die irrende Seele allein merkte das . . . „Lasst das Pferd los! .. .“ befiehlt der Gerichtsherr, und die Knechte springen zur Seite, und das Pferd ist frei. Im gleichen Augenblicke dringt aus jedem Munde ein wildes Geschrei, die Peitschen knallen und pfeifen, die Stöcke und Ruten sausen durch die Luft. Und das Pferd rast durch den Platz, durch Gassen und Gässchen und ins freie Feld hinaus ... > Und die irrende Seele zog eine blutbefleckte Nadel aus dem Fleische des Mädchen und flog mit ihr in den Himmel hinauf! „Nim fehlt nur noch ein Geschenk!“ tröstete sie der Engel an der Himmelspforte. * Und die Seele flog wieder hinab: sie brauchte nur noch ein Geschenk zu finden! Und wieder gehen Jahrhunderte vorüber, und sie verfällt wieder in Trübsinn. Es scheint ihr, dass die Welt noch unbedeutender geworden sei . . . noch kleinlicher