Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 235)
- Language
- German
- Belongs to
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234 seien die Menschen, und nichtiger ihre Werke, die guten.» wie die schlechten . . . Und einmal denkt sich die Seele! „Wenn der Herr, gelobt sei sein Name, sich einmal entschlossen wollte, die Welt, so wie sie jetzt ist, zu richten . . . Und wenn sich rechts der Fürsprech hinstellte und aus seinem weissen Sack lauter Stäubchen und Körnchen, und links der Ankläger aus seinem schwarzen Sack lauter Splitterchen und Bröckchen schüttete, so würden sie wohl mit dieser Arbeit niemals fertig werden: es gibt zu viel Nichtigkeiten in der Welt, viel zu viel! Und selbst wenn sie die Säcke endlich einmal entleert hätten, was würde dann geschehen? Das Zünglein bliebe gewiss unbeweglich in der Mitte stehen und würde nicht einmal schwanken. Denn bei so viel Staub kann keine der Wagschalen überwiegen . . . „Und was würde dann Gott tun? Was würde er beschliessen? „Dass die Welt wieder wüst und leer werde? Nein, das geht nicht, denn die Sünden wiegen nicht über. „Dass die Welt erlöst werde? Auch das geht nicht: denn auch die guten Werke wiegen nicht über. „Was würde er also beschliessen? v... „,Fliege weiter!* würde er der Welt sagen, ,schwebe zwischen Himmel und Hölle, zwischen Liebe und Hass, zwischen Trännen des Mitleids und rauchendem Blut. . . Zwischen Wiegen und Gräbern, immer weiter und weiter. . /u Es war aber der armen irrenden Seele doch bestimmt, erlöst zu werden: Trommelwirbel weckten sie aus ihren Gedanken ... Wo ist sie nun? Sie kann weder den Ort noch die Zeit erkennen ... Sie sieht einen Platz vor einem Gefängnisse ... In den kleinen vergitterten Fenstern spielen Sonnenstrah-