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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1918-01-01 · 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918) · p. Seite 232

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
Issue
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 232 (sequence 233)
Language
German
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232 Kerker nur etwas blasser geworden ist, aber von seinem Glanze nichts verloren hat! Seht ihre Hände, ihre schmalen Hände, durch die die Sonne hindurchscheint! . . . „Was wollte also der Teufel, der ihre Gestalt angenommen hat? Doch nur eine Christenseele fangen und von der Andacht der heiligen Prozession ablenk.en . . . Und das ist ihm auch gelungen: ,Seht nur das schöne Mädel!‘ rief ein Jüngling von einem unserer vornehmsten Geschlechter aus, der in der Prozession mitritt . . . „Das war schon zu viel: die Schergen fassten sie und schleppten sie weg. Und sie wehrte sich auch gar nicht: denn die Schergen waren damals durch die Teilnahme an der heiligen Handlung von allen ihren Sünden reingewaschen, und der Böse hatte über sie keine Gewalt... „Und so soll die Teufelin bestraft werden: „Man wird sie mit ihren langen teuflischen Zöpfen an den Schweif dieses wilden Pferdes anbinden .. . Und das Pferd wird sie durch alle die Gassen schleifen, die sie mit ihren Schritten entweiht haf. . . Und ihr Blut soll alle die Steine rein waschen, die sie mit ihren Füssen befleckt hat!“ Die Menge erhob ein wildes Freudengeschrei, und als das Geschrei allmählich verstummt war, fragte man die Verurteilte, ob sie nicht einen letzten Wunsch vorzubringen hätte. „Ich habe wohl einen Wunsch,“ antwortete sie ruhig: „Man gebe mir drei Nadeln!“ „Sie hat vor Schreck den Verstand verloren!“ meinte einer der Ratsherren. „Nein!“ erwiderte sie gelassen. „Das ist wirklich mein letzter Wunsch und meine letzte Bitte!“ Man erfüllte ihren Wunsch und gab ihr die Nadeln. „Und nun“, befahl der Gerichtsherr, „bindet sie an das Pferd!“ Die Schergen banden mit zitternden Händen die {

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